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18. Februar 2008, 17:57 Uhr

Katholische Kirche

Zollitschs Zölibats-Einstellung provoziert Amtsbruder

Kaum im Amt, droht Ärger: Im SPIEGEL sprach sich Erzbischof Zollitsch, der neue Vorsitzende der Bischofskonferenz, "gegen Denkverbote" beim Thema Zölibat aus. Jetzt erntet er Widerspruch aus den eigenen Reihen. 

Berlin - Im Gespräch mit dem SPIEGEL hatte der 69-jährige Erzbischof erklärt, der Zölibat sei "theologisch nicht notwendig". Es "wäre eine Revolution", wenn dies Tradition abgelegt werden würde, sagte Zollitsch im SPIEGEL-Interview (im aktuellen Heft).

Erzbischof Zollitsch: Heftige Reaktion in der Kirche
DPA

Erzbischof Zollitsch: Heftige Reaktion in der Kirche

Doch diese Revolution wollen andere deutsche Bischöfe offenbar verhindern. Der als streng konservativ bekannte Regensburger Bischof Gerhard L. Müller warnte heute davor, Ehen für Priester zuzulassen.

In seiner Stellungnahme heißt es: "In einem schnellen Interview konnte zum Thema Priestertum und Zölibat nicht alles so differenziert gesagt werden, wie es theologischen Ansprüchen genügt. Das II. Vatikanische Konzil hat in seinem 'Dekret über Dienst und Leben der Priester' im Artikel 16 die maßgeblichen Zusammenhänge erläutert. Das ist und bleibt die Linie der katholischen Kirche."

Von einer Aufhebung des Zölibates brauche niemand – "weder jetzt noch in Zukunft" – auszugehen, erklärte Müller. "Bei aller Wertschätzung der Priester im Ehestand, die es in den Ostkirchen legitimerweise gibt", halte die katholische Kirche fest an der "äußerst sinnvollen Verbindung von Priesteramt und dem ehelosen keuschen Leben um des Himmelreiches willen".

"Wer nach den Worten Christi und auch des Apostels Paulus das Charisma dieser evangeliumsgemäßen Lebensform" erkenne und zum Priesteramt berufen sei, der könne in der katholischen Kirche zum Priester geweiht werden, "wenn auch die weiteren erforderlichen Voraussetzungen gegeben sind", heißt es in der Erklärung des Bischofs.

"Statt einer Neuauflage alter Zölibatsdebatten, bei denen alles schon einmal und von allen gesagt worden ist, werden wir uns als Bischöfe verstärkt um die Weckung von Priesterberufungen und die tiefere Einsicht in die spirituelle Dimension der zölibatären Lebensform bemühen, die – mit den Worten des Konzils gesagt – 'dem Priestertum in vielfacher Hinsicht angemessen ist'."

Stefan Berg

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