Kaufhausbrand in Paraguay Mindestens 364 Tote, zwei Deutsche unter den Opfern

Mehr als 360 Menschen sind bei dem verheerenden Feuer in einem Kaufhaus in Paraguay ums Leben gekommen. Unter den Todesopfern sind nach Angaben des Auswärtigen Amts zwei Deutsche. Dabei handelt es sich um einen 40 Jahre alten Mann und ein Baby.


Unglücksort in Asunción: Brennender Supermarkt wurde zur tödlichen Falle
DPA

Unglücksort in Asunción: Brennender Supermarkt wurde zur tödlichen Falle

Berlin/Asunción - Woher der Mann und das kleine Mädchen stammen, ist bislang noch unklar. Die Behörde geht davon aus, dass die beiden in Paraguay lebten.

Wie Medien unter Berufung auf Behörden berichteten, waren bei dem Unglück mindestens 364 Menschen ums Leben gekommen, Hunderte weitere wurden verletzt. Soldaten brachten Wagenladungen von Särgen in die provisorischen Leichenhallen. Unter Tränen identifizierten Angehörige am Morgen ihre toten Familienmitglieder.

Helfer suchen in dem ausgebrannten Einkaufszentrum am Rande der Hauptstadt unterdessen weiter nach Opfern. Die Polizei geht Hinweisen nach, die Explosion eines Gaskanisters könne für die Brandkatastrophe verantwortlich sein. Die Behörden betonten indes, es lägen noch keine gesicherten Erkenntnisse zur Unglücksursache vor.

In dem Kaufhaus war während der Mittagszeit Feuer ausgebrochen. Viele Opfer waren in dem Gebäude eingeschlossen und verbrannten oder erstickten. In der sengenden Hitze stürzte die Decke eines Stockwerks ein und krachte auf die darunter liegende Tiefgarage. Flammen in der Garage schnitten Autofahrern den Weg ab, teilte die Polizei mit. Viele verbrannten in ihren Wagen.

Passanten hätten den Todeskampf der Eingeschlossenen in Panik von der Straße aus verfolgt. Viele hätten noch vor dem Eintreffen der Feuerwehr und der Sicherheitskräfte versucht, auch von außen Türen einzutreten oder dicke Schaufensterscheiben mit bloßen Fäusten zu zerstören, um einen Fluchtweg zu ermöglichen. Einigen sei das gelungen. Rund 700 Menschen hätten sich bei Ausbruch des Feuers in dem Supermarkt und den dazugehörenden Restaurants aufgehalten.

Ein Überlebender, Francisco Barrios, sagte weinend: "Da waren Funken, als ob Feuerwerkskörper hochgingen. Der Laden fing schnell Feuer und füllte sich mit Rauch, und es brach eine völlige Verwirrung aus. Ich habe meine Frau und Kinder verloren, als ich nach draußen lief. Jetzt suche ich verzweifelt nach ihnen."

Der Besitzer des Einkaufszentrums "Ycuá Bolaños" wurde unterdessen in Untersuchungshaft genommen. Er wird beschuldigt, bei Ausbruch des Feuers die Schließung aller Ein- und Ausgänge angeordnet zu haben, um Plünderungen zu verhindern.

Medien und Behörden bezeichnen das Feuer als die schlimmste Tragödie in der jüngeren Geschichte des südamerikanischen Landes. Staatspräsident Nicanor Duarte Frutos ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. "Ich habe so etwas noch nie gesehen", meinte sichtlich schockiert Gesundheitsminister Julio César Velázquez. "Es ist unglaublich, wie viele Menschen betroffen sind. Ich sehe Kinder, Rentner, schwangere Frauen", fügte er hinzu. "Es ist furchtbar."

Anteilnahme aus Deutschland

Auch in Deutschland ist die Betroffenheit groß. Bundespräsident Horst Köhler, Bundeskanzler Gerhard Schröder und Außenminister Joschka Fischer übermittelten der Regierung und der Bevölkerung Paraguays ihre Anteilnahme. Aus dem Vatikan sandte Papst Johannes Paul II. ebenfalls ein Kondolenzschreiben.



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