Überschwemmungen Zahl der Flutopfer in Kentucky steigt auf 16 – Gouverneur rechnet mit mehr Toten

Mit Hubschraubern und Booten versuchen Einsatzkräfte im US-Bundesstaat Kentucky von den Wassermassen eingeschlossene Menschen zu retten. Die Bilanz ist schon jetzt desaströs. Präsident Biden ruft den Katastrophenfall aus.

Das verheerende Ausmaß der Flutkatastrophe in Kentucky wird erst nach und nach deutlich: Wie Gouverneur Andy Beshear am Freitagvormittag (Ortszeit) mitteilte, kamen durch die Überflutungen in dem US-Bundesstaat mindestens 16 Menschen ums Leben, viele weitere werden noch vermisst. Beshear sagte, es handle sich um die schlimmste Überschwemmungskatastrophe, die er je in Kentucky erlebt habe.

US-Präsident Joe Biden rief den Katastrophenfall aus. Biden habe Hilfe der Bundesregierung für »alle von schweren Stürmen, Hochwasser und Erdutschen betroffenen Gebiete« angeordnet, erklärte das Weiße Haus in einer Mitteilung.

Am Freitag dauerten die Rettungsarbeiten an, Menschen wurden mit Hubschraubern von ihren Dächern gerettet, andere mit Schlauchbooten in Sicherheit gebracht. Vielerorts erschweren jedoch starke Strömungen die Rettungsaktionen und die Suche nach Überlebenden.

»Ich rechne damit, dass sich die Zahl mehr als verdoppeln wird. Darunter werden auch einige Kinder sein«, sagte Beshear mit Blick auf die Todesopfer dem Sender CNN. In einigen Gebieten werde das Wasser erst am Samstag zurückgehen. Rund 23.000 Haushalte seien ohne Strom, auch die Wasserversorgung sei unterbrochen. Es gebe in weiten Teilen des Katastrophengebiets keinen Handyempfang. »Wir bitten die Menschen in Amerika, für uns zu beten, damit wir den nächsten Tag überstehen.«

Heftige Regenfälle ließen Flüsse über Ufer treten

Nach heftigen Regenfällen hatte es in Kentucky sowie in den benachbarten Bundesstaaten Virginia und West Virginia am Donnerstag Sturzfluten und Erdrutsche gegeben. Viele Menschen seien »mitten in der Nacht« von den Fluten überrascht worden, sagte Beshear.

Die Flut sei plötzlich gekommen, berichtete auch der Bewohner eines Bungalows gegenüber der Zeitung »Lexington Herald Leader« aus dem Bezirk Perry: »Es war wie eine Welle, die aus dem Meer kam.« Seine Partnerin sei weggespült worden, habe sich dann aber mithilfe eines Nachbarn an einen Baum geklammert, bis sie beide nach etwa zwei Stunden gerettet worden seien. »Ich hatte schreckliche Angst und war sicher, ich würde sterben«, sagte die 29-Jährige. Ihr Heim sei von den Wassermassen weggerissen worden.

Gouverneur rechnet mit jahrelangen Wiederaufbauarbeiten

Gouverneur Beshear sagte, er erwarte massive Schäden. »Für viele Familien wird es nicht Monate, sondern wahrscheinlich Jahre dauern, bis sie alles wiederaufgebaut und sich erholt haben.« Bilder zeigten überflutete Straßen und weggeschwemmte Autos. Mancherorts waren nur noch die Dächer der Häuser zu sehen.

Um zusätzliches Personal und Ressourcen zu mobilisieren, hatte der Politiker der Demokraten den Notstand ausgerufen und zudem die Nationalgarde zur Unterstützung eingesetzt. Erst im Dezember 2021 hatten verheerende Tornados in Kentucky schwere Zerstörungen angerichtet. Mehr als 70 Menschen starben.

Für den Freitag blieben die Flutwarnungen im Osten Kentuckys bestehen. Der Nationale Wetterdienst rechnete zudem mit weiteren Niederschlägen im benachbarten West Virginia, sodass die Pegelstände in einigen ohnehin übervollen Gewässern weiter ansteigen könnten.

fek/mel/dpa/AP/AFP
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