Sexuelle Belästigung Weitere Männer erheben Vorwürfe gegen Kevin Spacey

Ein Schauspieler, ein Dokumentarfilmer und ein Barkeeper: Weitere Männer berichten von sexuellen Übergriffen durch Kevin Spacey.

Kevin Spacey (Archivfoto)
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Kevin Spacey (Archivfoto)


Nach dem Schauspieler Anthony Rapp haben weitere Männer Belästigungsvorwürfe gegen Kevin Spacey erhoben. Der mexikanische Schauspieler Roberto Cavazos berichtete von Übergriffen und ungewollten sexuellen Avancen durch Spacey während dessen Zeit als künstlerischer Direktor des Londoner Old Vic Theatre.

"Viele von uns haben eine 'Kevin-Spacey-Geschichte'. Es brauchte wohl nur einen jungen Mann unter 30, und Herr Spacey fühlte sich frei, uns anzufassen", schrieb der 35-jährige Cavazos auf Facebook. "Es war so üblich, dass es sogar zu einem (geschmacklosen) Witz wurde."

Ihm selbst habe Spacey zweimal "unerfreuliche" Avancen gemacht, die "an Belästigung grenzten", schrieb Cavazos. "Wäre ich eine Frau gewesen, hätte ich wahrscheinlich keine Sekunde gezögert, es so zu nennen." Cavazos fügte hinzu, er habe Spaceys Annäherungsversuchen nie nachgegeben, "aber ich kenne manche Leute, die zu viel Angst hatten, um ihn zu stoppen".

Spacey war zwischen 2004 und 2015 an dem Londoner Theater engagiert. In einem Statement betonte die Theaterleitung: "Ungebührliches Verhalten jedes Mitarbeiters des Old Vic ist völlig inakzeptabel." Beschwerden würden unter einer bestimmten Mailadresse entgegengenommen und vertraulich behandelt. "Wir haben externe Berater eingesetzt, die uns bei der Bearbeitung der eingegangenen Informationen unterstützen."

Vor einigen Tagen hatte Schauspieler Anthony Rapp Spacey eines sexuellen Übergriffs vor rund 30 Jahren beschuldigt. Er sei damals 14 Jahre alt gewesen und Spacey 26. Der Oscar-Preisträger outete sich kurz nach den Vorwürfen als schwul. Als Konsequenz aus dem Belästigungsvorwurf stellte der Streamingdienst Netflix die Produktion der Erfolgsserie "House of Cards" mit Spacey in der Hauptrolle bis auf Weiteres ein.

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Neben Rapp und Cavazos wirft auch der Dokumentarfilmer Tony Montana Spacey sexuelle Belästigung vor. Der Oscar-Gewinner habe ihm 2003 in einer Bar in Los Angeles in den Schritt gefasst, sagte Montana der Webseite "Radar online".

Als er sich aus Spaceys Griff befreit habe, sei dieser ihm auf die Toilette gefolgt, so Montana. Dort habe er Spacey aus der Tür geschubst. Anschließend habe er einen von Spaceys Freunden aufgefordert, den Schauspieler herauszubegleiten. Die Gruppe habe daraufhin das Lokal verlassen.

Wie die britische "Daily Mail" berichtet, erhebt auch der Barkeeper Daniel Beal Vorwürfe gegen Spacey. Dieser habe Beal 2010 in einem Hotel in West Sussex seinen Penis gezeigt. Anschließend habe Spacey versucht, Beals Hände zu seinem Glied zu führen. Der damals 19-Jährige habe sich lösen können. Spacey habe ihm später eine 5000 Pfund teure Designeruhr geschenkt, gleichsam als Schweigegeld.

Kevin Spaceys Bruder, Randall Fowler, sprach in der "Daily Mail" über die gemeinsame Kindheit. Diese sei von Übergriffen durch den Vater geprägt gewesen. Dieser sei ein Sadist gewesen, habe Fowler vergewaltigt und Kevin Spacey sowie dessen Schwester regelmäßig geschlagen. Zudem war der Vater laut Fowler ein bekennender Neonazi, Judenhasser und Rassist. Die Geschwister seien in einem "Haus des Schreckens" aufgewachsen.

asa/dpa/AFP



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