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Klüger werden mit: Kgalalelo Ntsepe

Die 31-jährige Sozialarbeiterin aus Botswana über ihre Wahl zur »Miss HIV«
aus DER SPIEGEL 41/2003

SPIEGEL: Gerade wurden Sie zur Miss HIV gewählt. Wie geht es Ihnen?

Ntsepe: Sehr gut, jedenfalls im Moment. Ich weiß zwar seit zwei Jahren, dass ich HIV-positiv bin, ich war abgemagert damals und fast tot. Nicht im Traum hätte ich daran gedacht, dass ich jemals an einem Schönheitswettbewerb teilnehmen könnte. Aber jetzt geht es mir besser, und ich bin stolz auf meinen Titel.

SPIEGEL: Wie sind Sie wieder zu Kräften gekommen?

Ntsepe: Wir bekommen vom Staat die nötigen Medikamente, und ich hatte Glück: Die Tabletten wirkten gut bei mir. Ich hatte mich viel zu spät testen lassen, weil ich Angst vor der Diagnose hatte. Aber dann begann ich, das Virus zu akzeptieren und offen darüber zu sprechen. Die Familie hat das erschreckt, aber mir tat es gut.

SPIEGEL: Ist Ihre Familie heute stolz auf Sie?

Ntsepe: Ich denke schon. Anfangs dachten natürlich fast alle, dass ich eine Nutte sei. Dabei habe ich mich bei meinem ersten Freund angesteckt. Heute sehen sie, dass man trotz Aids ein recht normales Leben führen kann.

SPIEGEL: Haben Sie als Miss HIV auch Pflichten?

Ntsepe: Die Wahl wurde zwar von der Regierung veranstaltet, aber ich habe keine offiziellen Aufgaben. In meinem Land sind fast 39 Prozent der Bevölkerung HIV-infiziert, da sollte jeder Bürger alles tun, was in seiner Macht steht. Ich arbeite schon seit längerem für das »Centre for Youth of Hope«. Ich berate HIV-Infizierte und kläre Kinder an Schulen über das Virus und die Krankheit auf. Viele Kinder bei uns denken, dass der Teufel nur den schlechten und hässlichen Menschen Aids schickt. Mit meinem neuen Titel kann ich ihnen jetzt einmal mehr beweisen, dass das nicht stimmt.

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