Killerhitze in Paris Schon mehr als hundert Tote

Notstand in Frankreich: Mehr als hundert Menschen sind allein in Paris der Sommerhitze erlegen. Brutale Hitze herrscht auch in Deutschland. Die vergangene Nacht war so heiß wie nie zuvor: fast 28 Grad - da müsste es eigentlich hitzefrei geben.


Die Hitze füllt die Korridore des Pariser Saint Antoine Krankenhauses
AP

Die Hitze füllt die Korridore des Pariser Saint Antoine Krankenhauses

Paris - In den Krankenhäusern rund um Paris ist der Notstand ausgebrochen. 800 neue Patienten, die in einem direkten Zusammenhang mit der Hitze erkrankt sind, meldet die Direktorin des staatlichen Krankenhausverbandes, Rose-Marie Van Lerberghe. Seit Donnerstag seien wahrscheinlich schon mehr als 100 Menschen an den Auswirkungen der extremen Hitze gestorben, sagte Lerberghe dem Fernsehsender RTL. "Die Mitarbeiter machen Überstunden, kommen auch in der Freizeit zur Arbeit zurück und verschieben ihre Ferien."

Im Großraum Paris herrschten in den vergangenen Tagen Temperaturen von fast 40 Grad, bei extrem hohen Ozonwerten. Bei den Hitze-Opfern handelt es sich meist um sehr alte und bereits schwer kranke Menschen, deren Körper schon geschwächt sind und die hohen Temperaturen daher schlecht verkraften.

In der extremen Hitzewoche vom 4. bis 10. August hatte das größte französische Bestattungsunternehmen landesweit 867 mehr Todesfälle zu betreuen, als in der Vorjahreswoche. Das sei eine Zunahme um 37 Prozent für ganz Frankreich und um 49 Prozent allein für die Ile-de-France, den Pariser Großraum, teilten die "Pompes funèbres générales" am Mittwoch in Paris mit.

Paris, eine Stadt hofft auf Abkühlung

Paris, eine Stadt hofft auf Abkühlung

Die Hitzewelle hat auch in Deutschland Opfer gefordert. In Mannheim starb ein 52-jähriger Briefträger in der Nacht zum Dienstag, nachdem er kollabiert war. Auch zwei weiteren Patienten, die jünger als 60 Jahre waren, konnte das Klinikum Mannheim nicht mehr helfen. Damit starben allein in der Region in den vergangenen 48 Stunden drei Menschen an Hitzschlag, meldet der "Mannheimer Morgen".

Kurz bevor Tief Lothar der Hitzewelle ein Ende bereiten wird, wurde in der vergangenen Nacht ein weiterer Rekord gebrochen: Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes sank das Thermometer auf dem Weinberg oberhalb von Neustadt an der Weinstraße nicht unter 27,6 Grad. Das sind 0,9 Grad mehr als der am 8. August am selben Ort registrierte Rekord und 1,6 Grad mehr als das am 5. Juli 1957 in Freiburg im Breisgau gemessene höchste "Temperaturminimum" einer deutschen Sommernacht.

Ungewöhnlich viele Todesfälle in diesem Sommer werden auch aus Norditalien berichtet. Die Turiner Zeitung "La Stampa" schreibt unter Berufung auf Ärzte, dass die Zahl der Toten wesentlich höher sei als im Durchschnitt. So seien allein in Turin an einem Tag 23 ältere und kranke Menschen gestorben. "Das ist drei Mal mehr als im Durchschnitt", sagte ein Arzt.

Mensch und Natur leiden in Norditalien unter der Hitze: Ein Waldbrand nahe der Stadt Savona, in Ligurien
AP

Mensch und Natur leiden in Norditalien unter der Hitze: Ein Waldbrand nahe der Stadt Savona, in Ligurien

In Mailand haben die Behörden 16 Tote innerhalb eines Tages registriert, berichten italienische Zeitungen. Auch hier versagte bei vielen älteren Menschen der Kreislauf, Herzproblemen und Atembeschwerden kommen hinzu.

Vor allem Norditalien wird seit Wochen von einer Hitzewelle mit Temperaturen um 40 Grad geplagt. Allerdings erwarten Meteorologen für das Wochenende leichte Abkühlung, vor allem im Norden des Landes.



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