Kinder-Video-Kampagne gegen häusliche Gewalt "Gib ihr eine Ohrfeige!"

Fünf kleine Italiener lernen ein blondes Mädchen kennen. Sie lachen und machen der neuen Freundin Komplimente. Dann werden sie aufgefordert, sie zu schlagen. Die Reaktion der Ragazzi ist ebenso anrührend wie vorbildlich.

YouTube/Fanpage.it

Hamburg - Die Jungs sind zwischen sieben und elf Jahren alt. Sie heißen Pietro, Fulvio oder Domenico, wollen Pizza-Bäcker werden oder Fußballer. Und dann ist da Martina, groß, blond, sie trägt eine Zahnspange. Mit diesen Protagonisten haben Videofilmer für das italienische Nachrichtenportal Fanpage.it ein klassisches Kinder-Experiment vor der Kamera inszeniert, wie man es aus der Überraschungsei-Werbung in Deutschland kennt.

"Was magst du an Martina?", fragt eine Stimme aus dem Off. "Ihre Schuhe!", "Ihre Augen!", "Die Haare!" - "Einfach alles!", rufen die Jungs der Reihe nach begeistert. Dann wird es ein bisschen unangenehm. "Streichel sie doch mal", fordert die Stimme die Kinder auf. Die tun, wie ihnen geheißen, fahren Martina über den Arm, ganz unschuldig und gar nicht schüchtern. "Schneid ihr doch mal eine Grimasse", lautet die nächste Empfehlung. Kein Problem für die Ragazzi.

Dann folgt - dramatische Pause bei der Hintergrundmusik - die entscheidende Regieanweisung: "Und jetzt gib ihr eine Ohrfeige!" Die Jungs sind verwirrt. Haben sie sich verhört? Fragende Blicke. Unverständnis. Irritiertes Lächeln. Dann schütteln alle entschieden den Kopf und sagen: "No!"

Vorbildliche Reaktion der Kinder: "Gib ihr eine Ohrfeige!" - "Nein!"
YouTube/Fanpage.it

Vorbildliche Reaktion der Kinder: "Gib ihr eine Ohrfeige!" - "Nein!"

Spätestens hier wird klar, was der Fokus des gefälligen, recht konservativ inszenierten Clips ist: Er soll ein Fanal sein gegen häusliche Gewalt. Auf die Frage, warum sie Martina nicht schlagen wollen, geben die kleinen Italiener rührende Antworten: "Weil es weh tut", sagt der Kleinste. "Weil man Frauen noch nicht einmal mit einer Blume haut", weiß der Charmeur und Witzbold in der Truppe. "Weil Jesus nicht will, dass wir jemanden schlagen", sagt Domenico. Und der zukünftige Pizza-Bäcker fasst zusammen: "Warum? Weil ich ein Mann bin!"

Gedreht wurde das Video vom Regisseur Luca Iavarone aus Neapel. Das Portal Fanpage.it hatte den Clip bereits im Dezember ins Netz gestellt und noch vor Neujahr vier Millionen Zugriffe verzeichnet. Die "Repubblica" und "Il fatto quotidiano" berichteten, das Echo in Italien war groß. "Das Video ist nicht für Kinder gedacht", sagen die Macher. Es solle auch nicht pädagogisch sein, sondern eher aufzeigen, wie sehr im Erwachsenenalter offenbar die Fähigkeit abnimmt, sich einem "patriarchalischen und primitiven Instinkt" zu widersetzen. Und wie unmittelbar Kinder im rechten Moment Gut von Böse unterscheiden können.

ala



© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.