Kindermord von Eschweiler Tom wurde erwürgt
Aachen - An der Leiche sei eine massive Gewalteinwirkung im Halsbereich festgestellt worden, teilte Oberstaatsanwalt Robert Deller am Dienstag auf einer Pressekonferenz mit. Beim Auffinden der Leiche habe der Junge eine Plastiktüte um den Kopf gehabt, erklärte Deller weiter. "Inwieweit die Plastiktüte eine entscheidende Rolle bei dem Todesgeschehen spielt, können wir im Augenblick nicht sagen." Ebenso wenig klar sei die Frage, ob Verletzungen als Spuren eines Kampfes gedeutet werden müssten. Anzeichen für sexuellen Missbrauch gebe es nicht.
Ob der Fundort auch der Tatort sei, müsse die Auswertung der Spurensuche ergeben, die am Dienstagmittag abgeschlossen worden sei. An dieser Suche waren seit Montag auch Spezialisten des Bundeskriminalamtes beteiligt. Die Spezialisten der Spurensicherung konzentrierten sich auf so genannte kleinste Faserspuren, die der Täter möglicherweise hinterlassen hat. "Wir brauchen nur ein Haar zu finden, dann wären wir ein ganzes Stück weiter", erklärte der Oberstaatsanwalt.
Unterdessen läuft die Suche nach Toms neunjähriger Schwester Sonja auf Hochtouren. Mehr als 400 Polizeibeamte durchkämmten mehrere Waldstücke in Eschweiler und in der Voreifel. Das sehr hügelige, aber nicht schwer durchdringbare Gelände werde in Planquadraten Meter für Meter abgesucht. "Wenn es da was zu finden gibt, werden wir es finden", sagte Polizeisprecher Jürgen Robens. Spürhunde von Rotem Kreuz und Technischem Hilfswerk seien ebenso eingesetzt worden wie Hubschrauber mit Wärmebildkameras. Am Mittwoch wird ein Tornado-Kampfflugzeug der Bundeswehr helfen, das mit Infrarotkameras das inzwischen weitläufige Suchareal ausforschen soll.
Trotz des Todes des Jungen, gebe es noch Hoffnung, Sonja lebend zu finden, sagte der Polizeisprecher. Allerdings laufe die Zeit davon: "Nachts gibt es Frost und das Mädchen hat nur einen Pullover an."
Die kleine Sonja wollte am Sonntag mit ihrem Bruder auf einem nahe gelegenen Zechengelände spielen. Als die Kinder zum Abendessen nicht wieder nach Hause kamen, alarmierten die Eltern die Polizei.
Zunächst hatten die Suchtrupps angenommen, die Kinder könnten auf dem unwegsamen Gelände, auf dem es viele Schächte und Höhlen gibt, verunglückt sein. Als am Montagmorgen jedoch in etwa 15 Kilometern Entfernung auf einem Waldparkplatz in der Voreifel die Leiche eines Jungen entdeckt wurde, schwand die Hoffnung, die Kinder wohlbehalten wieder zu finden.