Kinderstar Culkin Vorwürfe gegen Jackson sind "absolut lächerlich"

Der frühere Kinderstar Macaulay Culkin hat ausgesagt, nie von Michael Jackson belästigt worden zu sein. Die Begegnungen mit dem Mega-Star seien "total harmlos" gewesen. Prozessbeobachter bewerten die Aussage des 24-Jährigen als "sehr glaubwürdig".


Macaulay Culkin
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Macaulay Culkin

Santa Maria - Der frühere Kinderstar Macaulay Culkin ("Kevin allein zu Haus") hat im Missbrauchsprozess gegen Michael Jackson gestern vor der Jury betont, er sei von dem Sänger nicht unsittlich berührt worden. Culkin erklärte, er habe von den Gerüchten, dass er von Jackson belästigt worden sei, erst aus der Presse erfahren. Die Staatsanwaltschaft habe ihn dazu nie befragt. "Es ist einfach unglaublich, dass mich nie jemand gefragt hat, ob diese Berichte wahr sind", sagte Culkin.

Der Star aus knapp 20 Filmen, der als Kind häufig auf Jacksons Neverland-Ranch zu Gast war, verbrachte gut eine Stunde im Zeugenstand. Ein Prozessbeobachter stufte sein Auftreten als "sehr glaubwürdig" ein. Im Kreuzverhör räumte Culkin ein, dass Jackson ihn häufig umarmte. Er habe auch wiederholt im Bett des Popstars übernachtet. Nach dem Spielen und Rumtoben auf der Ranch sei er mitunter erschöpft im Zimmer des Sängers eingeschlafen, sagte Culkin. All diese Begegnungen seien total harmlos gewesen. Jacksons eigene Erfahrungen als Kinderstar hätte ihre Freundschaft vertieft, so Culkin.

Zwei Zeugen der Anklage hatten in den vergangenen Wochen im Missbrauchprozess gegen Jackson ausgesagt, der Musiker habe den früheren Kinderstar unsittlich berührt. Der 1991 auf Jacksons Neverland-Ranch angestellte Koch Phillip Lemarque sagte vor Gericht, der damals elfjährige Darsteller sei beim Betrachten eines Videospiels von Jackson im Genitalbereich berührt worden. Ein früheres Dienstmädchen gab zu Protokoll, dass sie Jackson dabei beobachtete, wie er Culkin und andere Jungen küsste und anfasste.

Die Staatsanwaltschaft wollte damit beweisen, dass Jackson häufiger Jungen sexuell belästigt habe. Jackson wird beschuldigt, einen Jungen im Frühjahr 2003 mit Alkohol gefügig gemacht und sexuell misshandelt zu haben.

Die Verteidigung war in der vergangenen Woche mit der Aussage von zwei jungen Männern, die als Kinder häufig auf Neverland zu Gast waren, in die Offensive gegangen. Auch sie waren von der Anklage als Jacksons Opfer dargestellt worden. Im Zeugenstand wiesen sie unsittliche Handlungen seitens des Popstars vehement zurück.

Der Manager von Michael Jacksons Neverland Ranch räumte tags zuvor im Kreuzverhör ein, entgegen früheren Angaben doch gewusst zu haben, dass Jackson das Bett mit Kindern teilte. Während einer Durchsuchung der Ranch im November 2003 hatte Joe Marcus erklärt, ihm sei nichts derartiges bekannt. Gestern erklärte er, damals nicht die Wahrheit gesagt zu haben. Der Tag damals sei chaotisch verlaufen, er sei von den Ereignissen überrollt worden, sagte Marcus, der seit 18 Jahren für den Popstar arbeitet. Die Verteidigung wollte mit Marcus' Aussage den Vorwurf entkräften, der heute 15 Jahre alte Hauptbelastungszeuge und seine Angehörigen seien ihrer Freiheit beraubt worden. Der Manager der Neverland Ranch erklärte auch im Zeugenstand, es habe keine Anweisungen gegeben, die Familie gegen ihren Willen festzuhalten.

Staatsanwalt Gordon Auchincloss fragte Marcus auch, ob er gewusst habe, dass der Angeklagte nur für Erwachsene bestimmtes Material auf der Ranch aufbewahrt habe. Der Zeuge verneinte, räumte aber ein, dass auf Jacksons Schreibtisch Puppen standen. Er habe sie als "Kunstwerke" bezeichnet. "Glauben sie, es ist angemessen, dass Kinder so etwas sehen?" fragte Auchincloss. Marcus zögerte zunächst und antwortete dann leise mit Nein.

Culkin war der erste prominente Zeuge, den die Verteidigung in den Zeugenstand holte. Im weiteren Prozessverlauf könnten auch Stars wie Elizabeth Taylor, Diana Ross und Stevie Wonder für den Popstar aussagen.



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