Elterncouch Happy Bürste, little Miss Schornstein!

Happy Bürste! So schön wird's, wenn Kinder sprechen lernen
Michael Meißner

Happy Bürste! So schön wird's, wenn Kinder sprechen lernen


    Kinder sind manchmal wahnsinnig süß - und manchmal machen sie uns wahnsinnig. Für SPIEGEL ONLINE legen sich eine Mutter und zwei Väter regelmäßig auf die Elterncouch.

    Jonas Ratz schreibt auf der Elterncouch im Wechsel mit Theodor Ziemßen und Juno Vai.
Vorsicht! Wickelkanone! Wenn Kinder mit dem Sprechen anfangen, nehmen Sie es mit den Worten nicht so genau. Glück für uns! Hier finden Sie ein Best-of der witzigsten Schöpfungen kleiner Sprachwissenschaftler.

Um einen Laut zu formen, werden in Mund und Rachen mehr als einhundert Muskeln aktiv. Das will koordiniert werden - "aaa" geht noch relativ problemlos, das kriegen selbst Ballermann-Touristen nach dem vierten Sangria-Eimer hin (Frage der Red.: Gibt es die eigentlich noch? Oder sind die in den Neunzigern irgendwann ausgestorben?). Begriffe wie "fachspezifische Bedarfsanalyse" hingegen erfordern schon mehr Koordination und bereiten gerade Sprachanfängern noch Probleme - oder Spaß.

In meiner letzten Folge der Elterncouch-Kolumne hatte ich über die Sprachkünste meiner beiden Söhne Frederik, 4, und Oliver, anderthalb, berichtet. Puma-San statt Parmesan, Sambalamba statt Salamander, so was. Ich dachte, ich wüsste, wie kreativ und vielschichtig die Wortschöpfungskunst von Kindern ist. Jetzt - mehr als 2000 Einsendungen später - weiß ich: Ich hatte keine Ahnung!

Sie, liebe Kolumnen-Leser, Eltern und parentale Linguisten, haben mich mit ganzen Wörterbüchern voller Kinderworte versorgt. Mit Klassikern wie "Lappschlappen" statt Waschlappen zum Beispiel. Aber auch mit ebenso hübschen wie mehrdeutigen Silbenschlingerern wie "Zwingelinge" statt Zwillinge.

Vielen Dank dafür! Und Bühne frei für Sie und Ihre Kinder! Hier kommt ein Best-of Ihrer lustigsten, irrsten und weisesten Kinderworte:

Obacht, zivilisationskritisch: "Mein Sohn taufte die Fernbedienung für TV und DVD-Player "Fernsedierung"

MfG, Cathrin PS: Ich bin Ärztin ..."

Klarer Fall von Inkontinenz: die "Raupe Immernass" (statt Raupe Nimmersatt, eingesandt von Miriam Brüggemann)

Auch ein Ritter muss mal: "Burg-Urine" statt Burgruine (eingesandt von Francoise Jaouiche)

Wofür man die braucht? Gute Frage: "Rippentüte" (statt BH, eingesandt von Elke Moebus)

Wir bleiben beim Thema - weniger deskriptiv, dafür irgendwie lautmalerischer: "Babenga" (statt BH, eingesandt von Uda Dedaj)

Er ist etwa so groß wie ein Fuchs, hat graues Fell, im Gesicht einen schwarzen Streifen und er wühlt gerne im Müll: Natürlich, der "Spülbär" (statt Waschbär, eingesandt von Elke Nottenkämper)

Ach, die hätte ich auch gerne: die "Wickelkanone" (statt Wickelkommode, eingesandt von Stefan Dittmar). Aber Vorsicht, die ist geladen …

Schmeckt auch im Büro: die "Zuckerkrawatte" (statt Zuckerwatte, eingesandt von Thorsten Riedl)

Vorsicht, möglicherweise leicht angegoren. Der "Granatabfall" statt Granatapfel (eingesandt von Birgit Schneeweiß)

Klingt logisch: "Haarewind" statt Föhn (eingesandt von Steffi Rauth)

Gute Frage: "Mama, ist hier eigentlich W-Land?" (eingesandt von Mirjam Schmidt)

Ta-ta-ta-taaa. Na, wer ist noch gleich der Komponist? "Motorzart"? Oder doch "Beethaufen"? (Eingesandt von Juliane Traeger)

Die Maulwurf-Trilogie. Teil 1: "Waufel", Teil 2: "Maulwolf" und - jetzt neu in Ihren Köpfen - der "Wolfmurf" – eingesandt von Andrea Friedberger und ihrer dreijährigen Tochter

Wenn Kinder englisch sprechen: "Happy Bürste" statt Happy Birthday, eingesandt von Anne Schaeffer.

Bilinguale Erziehung? Leserin Inga Bonke schreibt: "Sehr lustig, wenn unser Sohn (18 Monate) Popcorn sagt. Es heißt dann bei ihm "Cockporn".

Schnief: "Rasenotze"?! Ah, statt Rotznase! Eingesandt von Erik Friebe und seinem dreijährigen Sohn Edgar

Ähnlich wie die Inuit mit ihren 50-100 Wörtern für Schnee haben Kinder etliche Worte für Strumpfhosen gefunden: "Pumpumse" (eingesandt von Priyani Thomas-Dirla) etwa, "Dumpfhose" oder gar "Grumpfhose" (eingesandt von Ellen Springweiler). Schön auch die - sicher besonders selbstbewusst getragene - Trutzhose (Sabine Dedering).

Kinderwort-Fan Gero Frisch versorgte mich gleich mit dutzenden Wortkreationen seiner Jungs. Am Besten gefielen mir: "Little Miss Schornstein" (statt des Films "Little Miss Sunshine") und die - sicher gut abgehangene - "Lederwurst" (statt, na, Sie wissen schon).

Kinderwort-Fan Juliane Waas freute sich als kleines Mädchen nicht nur auf "Freullein Dü" an Silvester (Fondue), sondern auch, wenn abends die "Straßenschlampen" angingen (Straßenlampen).

Verständigungsprobleme in der Bäckerei. Statt Windbeutel ordern Yvonne Hornichs Kinder dort "Luftsäcke".
Das war alles? Ich hoffe nicht! Schicken Sie mir mehr Kinderworte (kinderworte@spiegel.de). Sonst sag' ich's dem Maulwolf …

Zum Autor
  • Illustration: Michael Meißner
    Jonas Ratz,
    Vater von Frederik (vier Jahre) und Oliver (anderthalb Jahre)

    Liebstes Kinderbuch: "Wo die wilden Kerle wohnen" von Maurice Sendak (Oft habe ich das Gefühl: bei uns zu Hause...).

    Nervigstes Kinderspielzeug: mein Smartphone

    Erziehungsstil: Erziehung ist das, was passiert, während man daran scheitert, ein Vorbild zu sein.

    Sammelt: Kinderworte. Hafersocken statt Haferflocken, Sambalamba statt Salamander. Kennen Sie auch solche kreativen Abwandlungen? Schreiben Sie an kinderworte@spiegel.de.

  • Jonas Ratz eine E-Mail schreiben



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17 Leserkommentare
jdh83 23.10.2015
cobaea 23.10.2015
Jotan 23.10.2015
bitte 23.10.2015
Loosa 23.10.2015
Dramaturg 23.10.2015
Dramaturg 23.10.2015
-snowlife- 23.10.2015
getrud,dieleiter! 23.10.2015
schlawa 23.10.2015
sandra_lankes 23.10.2015
p.donhauser 23.10.2015
badscooter 23.10.2015
p.donhauser 23.10.2015
Alfons Emsig 23.10.2015
filoumini 24.10.2015
juri. 24.10.2015

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