Kindstötung Psychosen und Gefühlskälte oft der Auslöser

Was bringt Menschen dazu, ein Neugeborenes zu töten? Warum läßt eine Mutter ihr Baby sterben? Nach den jüngsten Kindstötungen, die ganz Deutschland entsetzen, suchen Psychologen nach Erklärungen.

Potsdam - Psychosen und ein großes Maß an Gefühlskälte sind nach Auffassung des Experten Günter Esser häufig Auslöser für Kindstötungen. «Die Mutter kann keine emotionale Bindung zu ihrem Kind aufbauen und empfindet es als unerträgliche Belastung», sagt der Leiter der Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Potsdam. Meist sei der Tod eines Kindes Folge schwerer Mißhandlung oder Vernachlässigung. "Ein gezieltes Tötungsdelikt liegt eher selten vor."

Ein Fall wie jetzt in Brandenburg sei symptomatisch. Dort soll eine junge Frau ihren Säugling gleich nach der Geburt in den Keller gebracht haben, wo er starb. Später hatte sie den Erkenntnissen zufolge die Leiche im Wald vergraben. "Sie will das Kind einfach weghaben und die Augen davor verschließen", sagt Esser. Oft geschehe dies unter dem Druck durch den Partner, der von einem Kind nichts wissen wolle. Häufig seien auch Schizophrenie oder Drogenrausch der Mütter der Auslöser für die Tat.

"Die Frauen, die ihr Kind töten, fühlen sich meist mit dem Kind überfordert und können nicht auf Hilfe aus der eigenen Familie oder dem Freundeskreis zurückgreifen", so Esser. Nicht selten seien die betroffenen Mütter besonders jung und von mangelnder Intelligenz. Die Schwangerschaft sei in fast allen Fällen ungewollt. "Die Frau vertuscht häufig die Schwangerschaft, will sie nicht wahrhaben" betonte Esser.

Bei den Hauptverhandlungen gegen Mütter, die nach der Tötung ihres Kindes vor Gericht stehen, habe er immer wieder eine erschreckende Gefühlskälte beobachtet, so der Psychologe. "Sie wissen meist ganz genau, was sie getan haben, zeigen aber kaum Reue." Weltweit komme jährlich auf je 50.000 Neugeborene eine Kindstötung.

Nach Ansicht der Fachreferentin für Gewalt gegen Kinder beim Kinderschutzbund, Katharina Abelmann-Vollmer, sollten junge Menschen schon in der Schule auf ihre spätere Elternrolle vorbereitet werden. Dort könnten sie sich "Gedanken machen, was es heißt, wenn ein Paar plötzlich zu dritt ist. Das macht vielen jungen Eltern große Probleme." Ein eigenes Schulfach "Elternschaft" sei aber nicht nötig. "Diese Arbeit sollte fächerübergreifend angelegt sein."

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