Kirchenreform Theologen wollen Zölibat abschaffen

Katholische Wissenschaftler deutschsprachiger Universitäten kämpfen für eine tiefgreifende Kirchenreform. Unter anderem fordern die 144 Theologen ein Ende des Zölibats. Es ist der größte Aufstand seit 22 Jahren. 

München - 144 katholische Theologieprofessoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben sich in einer Reformschrift für tiefgreifende Veränderungen in der katholischen Kirche ausgesprochen. Darin fordern sie unter anderem die Abschaffung des Pflichtzölibats, wie die "Süddeutsche Zeitung" am Freitag berichtete.

Mit dem Maßnahmenkatalog reagierten die Wissenschaftler auf die "beispiellose Krise", in der die katholische Kirche stecke. "Nach dem Sturm des letzten Jahres darf keine Ruhe folgen", heißt es in dem Papier. Hintergrund sind die Fälle von sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen innerhalb der Kirche. "Als Theologieprofessorinnen und -professoren dürfen wir nicht länger schweigen. Wir sehen uns in der Verantwortung, zu einem echten Neuanfang beizutragen."

Neben der Abschaffung des Zölibats fordern die Theologen, auch Frauen zum Priesteramt zuzulassen. Außerdem plädieren sie für ein größeres Mitspracherecht des Kirchenvolkes, zum Beispiel bei der Auswahl der Bischöfe und Pfarrer. "Was alle angeht, soll von allen entschieden werden", ist in der Erklärung zu lesen. "Was vor Ort entschieden werden kann, soll dort entschieden werden."

Rechtsschutz und Rechtskultur der Kirche müssten dringend verbessert werden, so die Theologen. "Kirchliches Recht verdient diesen Namen nur, wenn die Gläubigen ihre Rechte tatsächlich geltend machen können." Der erste Schritt sei es, eine kirchliche Verwaltungsgerichtsbarkeit aufzubauen.

Der Katalog war von einem achtköpfigen theologischen Redaktionsteam entworfen worden - darunter Judith Könemann, eine Religionspädagogin aus Münster. "Offenbar haben wir damit einen Nerv getroffen", so Könemann zur "Süddeutschen Zeitung". Bereits jeder dritte katholische Theologieprofessor habe die Forderungen unterzeichnet.

Einen vergleichbaren Aufstand habe es in der katholischen Kirche zuletzt vor 22 Jahren gegeben. Damals protestierten mehr als 220 Wissenschaftler in der Kölner Erklärung "Wider die Entmündigung - für eine offene Katholizität" gegen den autoritären Führungsstil von Papst Johannes Paul II., der gegen alle Widerstände Kardinal Joachim Meisner zum Erzbischof von Köln gemacht hatte.

sar/dpa/dapd
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