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Klapptischbau: Sei doch nicht gleich eingeklappt

Foto: Benjamin Schulz

Gesägt, getan Klappergestell

Baut der Heimwerker einen Klapptisch, führt ihn das vor letzte Fragen: Klappt es, oder klappt es nicht? Und wenn es klappt, klappt es so, wie es soll?

Eine Bekannte ist passionierte Hobby-Schneiderin. Was für mich Kreissäge, Akkuschrauber und Leim sind, sind bei ihr Nähmaschine, Schere und Garn.

Ich wusste, dass sie beim Stoffzuschnitt oft auf dem Boden herumkroch, weil ihr ein Zuschnitt-Tisch fehlte und sie keine Lust hatte, immer den Esstisch freizuräumen. Sich auf allen Vieren zu bewegen, mag für Babys attraktiv sein. Ab einem gewissen Alter führt es einem seine Sterblichkeit vor Augen. Wer mal Laminat verlegt hat, kennt das Gefühl.

Das Näh-Dilemma der Bekannten bot mir die Gelegenheit, ein Projekt in Angriff zu nehmen, das ich seit Längerem im Hinterkopf hatte: einen Klapptisch zu bauen - groß genug, um damit zumindest Stoff für Kinderkleidung oder ein T-Shirt zuzuschneiden. Und so flach zusammenzulegen, dass er danach wieder hinter dem Schrank verschwinden könnte.

Wenn ich in den vergangenen Monaten in der Bahn oder zu Hause also mit halboffenem Mund dasaß und ins Nichts starrte, war ich vermutlich gerade dabei, vor meinem geistigen Auge einen Klapptisch zu ersinnen. Hätten Sie mein Mienenspiel dabei verfolgt, würden Sie schon wissen: Die meisten Versuche sind misslungen.

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Klapptischbau: Sei doch nicht gleich eingeklappt

Foto: Benjamin Schulz

Das Problem war nicht das grundlegende Design, sondern die Frage, wie sich der Tisch möglichst flach zusammenklappen lassen würde. Ich habe nicht mitgezählt, aber ein halbes Dutzend Designentwürfe habe ich bestimmt durchgespielt, ehe ich auf eine Lösung kam, die ich für erfolgversprechend und prinzipiell machbar hielt: Beinpaare in X-Form, mit Querstreben für Stabilität miteinander verbunden - und alles unter der Platte festgeschraubt.

Weil ich aber skeptisch war, ob das wirklich klappen würde, wollte ich ungern viel investieren. Zum Glück fand sich alles schon bei mir im Schuppen: ein paar Holzreste, Überbleibsel meines Tischplattenbaus aus dem Sommer, Schrauben aus meinem Sammelsurium und ein Regalboden aus beschichteter Spanplatte, ein Impulskauf in der Möbelhaus-Resterampe. Jaja, ich weiß: Ich bin ein Heuchler. Erst noch demonstrativ die Abneigung gegen Spanplatten zur Schau getragen, im nächsten Projekt selbst eine verbaut.

Klapptischbau ohne Zeichnung ist wie ein Ausflug ins Löwengehege

Die Platte des Klapptischs war das kleinste Problem. Durch die Beschichtung der Spanplatte sollte vermieden werden, dass irgendein zart gewebter Stoff beim Zuschnitt an einer rauen Holzoberfläche Schaden nimmt. Da nur eine Kante beschichtet war, leimte ich an den anderen drei Seiten eine dünne, bis Körnung 400 geschliffene Holzleiste aus meiner Restekiste an.

Der Klappmechanismus war eine andere Geschichte. Mehrmals habe ich die Entscheidung verflucht, mein ach so durchdachtes Design nicht in einer Zeichnung festgehalten zu haben.

Letztlich bedurfte es nur weniger gebohrter Löcher, einiger Unterlegscheiben und ein paar Schrauben für ein klappfähiges Gebilde. Aber innerlich schon vor dem Triumph stehend, öffnete sich kurz vor Vollendung des Projekts der Abgrund des Scheiterns: Wie sollte das nicht an der Platte angebrachte Tischbeinpaar arretiert werden? Der beste Klappmechanismus bringt nix, wenn er nicht hält.

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Schulz, Benjamin

Gesägt, getan: Eine Anleitung zum Heimwerkerglück

Verlag: Ullstein Taschenbuchvlg.
Seitenzahl: 240
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Aus vier Holzstückchen baute ich eine Art Begrenzung, in der die oberen Enden des Beinpaares "einrasten" können. Es funktioniert. Aber man sollte die Platte nicht anheben, weil der Rest des Tisches - zumindest aber der Unterbau - sich sonst selbstständig macht. Alle Ideen, die Beine sicherer zu befestigen, scheiterten daran, dass die Mechanismen zu sehr "aufgetragen" hätten - der Tisch hätte schlicht nicht mehr hinter den Schrank gepasst. Ich setze also vorerst darauf, dass die Bekannte den Tisch zum Stoffzuschnitt aufbaut und nicht mehr verschiebt. Das letzte Wort ist in dieser Sache allerdings noch nicht gesprochen, über Tipps freue ich mich.

Das Arretierungsdefizit versuchte ich durch ein Ablenkungsmanöver vergessen zu machen: Unter die Platte schraubte ich eine Magnetleiste, das teuerste Teil des gesamten Projektes. An der Leiste findet die Schere ihren Platz, wenn gerade mal nicht geschnitten wird - und ist jederzeit greifbar.

Inzwischen ist der Tisch seit ein paar Wochen bei der Bekannten. Sie hat ihn mehrmals auf- und abgebaut, keine gravierenden Mängel festgestellt. Beschwerden über fehlende Standfestigkeit gab es nicht. Sie schätze die Magnetleiste für die Schere, hat sie mir gesagt. Die improvisierten Scharniere halten.

Bei allen Mängeln lässt sich also sagen: Hat geklappt. Irgendwie.

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