Klares Statement Papst "tief beschämt" über pädophile Priester in den USA

Deutliches Signal zum Auftakt des Amerika-Besuchs: An Bord seines Flugzeugs hat sich Benedikt XVI. zur Häufung von Missbrauchsfällen durch pädophile Priester in den USA geäußert - und hartes Vorgehen gegen Kindesmissbrauch angekündigt.


Washington - Es ist sein erster USA-Besuch und die Erwartungen im Hinblick auf die Missbrauchsfälle, die in den Vergangenheit die katholische Kirche in den USA erschüttert haben, waren hoch: An Bord der päpstlichen Maschine beantwortete das Benedikt XVI. die Fragen von Journalisten - und bezog deutlich Stellung.

Er sei "tief beschämt" über die Serie von Missbrauchsfällen durch pädophile Priester, sagte der Pontifex. Die römisch-katholische Kirche werde alles in ihrer Macht stehende unternehmen, damit es in den USA nie wieder zu solchen Kindesmissbräuchen durch Würdenträger komme. "Wir werden Pädophile vom heiligen Amt absolut ausschließen."

Papst Benedikt: "Wir werden Pädophile vom Heiligen Dienst absolut ausschließen."
DPA

Papst Benedikt: "Wir werden Pädophile vom Heiligen Dienst absolut ausschließen."

Die römisch-katholische Kirche in den USA wird seit 2002 von einer Serie von Missbrauchsfällen durch pädophile Priester erschüttert. Im Zuge der Enthüllungen zahlten Diözesen mehr als zwei Milliarden Dollar Schadenersatz an die Opfer. Die Reise von Benedikt XVI. ist der erste Besuch eines Papstes seit Bekanntwerden des Pädophilen-Skandals. Ein Treffen mit Opfern steht bislang allerdings nicht auf der Agenda.

Bei seiner Ankunft auf dem Luftwaffenstützpunkt Andrews wird das Katholiken-Oberhaupt von US-Präsident George W. Bush empfangen, der sich selbst als tief gläubigen Christen bezeichnet. Am Mittwoch und damit am 81. Geburtstag von Benedikt XVI. kommt der Papst mit Bush zu politischen Gesprächen im Weißen Haus zusammen.

Als politischer Höhepunkt der Reise gilt eine Rede des Kirchenoberhaupts vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen am Freitag. Zum Abschluss der sechstägigen Reise wird der Papst am Sonntag den "Ground Zero" in New York besuchen, wo bei den September-Anschlägen 2001 die beiden Türme des World Trade Centers einstürzten.

Der aus Bayern stammende Joseph Ratzinger ist zugleich erst der dritte Papst, der die USA besucht. Der katholischen Kirche gehört etwa ein Viertel der amerikanischen Bevölkerung an, von denen ein wachsender Teil aus lateinamerikanischen Einwandererfamilien stammt. Sie ist damit nach den evangelikalen Kirchen die größte Konfession.

han/Reuters



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