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Gestorben Klaus Hübotter, 92

aus DER SPIEGEL 27/2022
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Privat

Vom Kommunisten zum Kapitalisten, vom politischen Gefangenen zum Bremer Ehrenbürger: Das Leben von Klaus Hübotter verlief alles andere als erwartbar. 1930 in Hannover geboren, trat er 1950 der KPD bei. 1955 gründete er gemeinsam mit Klaus Rainer Röhl und Peter Rühmkorf den Hamburger »Studentenkurier«, aus dem später die linke Zeitschrift »konkret« wurde. Als Funk­tionär des im Westen verbotenen kommunistischen Jugendverbands FDJ wurde Hübotter 1956 zu 18 Monaten Haft verurteilt. Bis 1991 war er Mitglied der DKP. Später bekannte er, mal die SPD, mal die Linke zu wählen. In der Friedensbewegung blieb er immer aktiv. Als bekennender Kommunist durfte der Jurist mit Doktortitel nicht als Rechtsanwalt arbeiten. Deshalb wurde er Baukaufmann und Investor in Bremen – und brachte es bis zum Millionär. Er arbeitete nicht nur als Immobilienmakler, sondern prägte auch das Stadtbild: mit anspruchs­voller Architektur und mit der Rettung abrissbedrohter Gebäude, etwa des ehemaligen Radio-Bremen-Sendesaals oder des einstigen Geschäftshauses eines ins Exil getriebenen jüdischen Kaufmanns. Auch in Bremens lettischer Partnerstadt Riga ließ Hübotter einige his­torische Bauten sanieren. Eines seiner Bremer Projekte wurde 1984 mit dem Deutschen Preis für Denkmalschutz ausge­zeichnet. 2010 erhielt er die Bremer Ehrenbürgerwürde. Neben­bei schrieb der verheiratete Vater zweier Töchter etliche Bände mit Aphorismen und Gedichten. Klaus Hübotter starb am 21. Juni in Bremen.

STG
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