Klein gegen Groß Pizzeria gewinnt Kampf gegen Rumriesen Bacardi

Von karibischer Entspanntheit war bei Bacardi in diesem Streit zunächst nichts zu merken. Über zwei Jahre machte der Konzern dem kleinen Stuttgarter Restaurant Bàcaro das Leben schwer. Der Name sei zu ähnlich, bedrohe die Marke Bacardi und müsse geändert werden. Doch jetzt haben die Stuttgarter den Kampf gewonnen.

Von Katja Fiedler


Bàcaro-Wein neben Bacardi-Rum: "Come on over have some fun..."
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Eigentlich fing alles ganz vielversprechend an: 1999 eröffneten Ettore Belgrado und seine Frau Daniela Vanzella ein italienisches Restaurant, und nannten es Bàcaro, venezianisch für Weinlokal. Belgrado, der selbst aus Venedig ist und mehrere Jahre Touristen in Gondeln durch die Kanäle der Lagunenstadt geschippert hat, steht in dem kleinen Restaurant selbst am Herd.

Die beiden wollten allerdings mehr als ein eigenes Lokal. Sie gingen zum Patentamt und ließen sich den Namen Bàcaro schützen. Denn sie hatten vor, unter dem neuen Label auch Wein und Grappa vertreiben. Doch die mit den eigenen Etiketten versehenen Flaschen mussten sie zunächst auf Halde legen.

Ex-Gondoliere Belgrado: Musste seinen Wein auf Halde legen
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Denn man wurde aufmerksam bei Bacardi. Der Rumriese legte beim Patentamt Widerspruch gegen den Namensschutz ein. Zu ähnlich sei er dem eigenen, in mühevoller Arbeit aufgebauten Markennamen, der "zum Synonym der Karibik geworden sei". Eine Verwechslungsgefahr befürchtete bei Bacardi zwar niemand - aus Sicht des Riesen ging es um etwas viel Wichtigeres: um die drohende "Verwässerung" der Marke. "Wenn wir mehrfach darauf verzichten, gegen Eintragungen 'ähnlicher Marken' vorzugehen, sie also billigen, können wir sehr bald die Eintragung einer identischen Marke nicht mehr verhindern", erläuterte der Konzern seine Motivation in einem Fax an die Gegenseite. Zwar wurde der Einspruch des Konzerns beim Patentamt zurückgewiesen, doch Bacardi legte sofort Widerspruch dagegen ein.

Wahlschwäbin Vanzella: "Wir sind aus ganz Deutschland angeschrieben worden"
ZDF

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Die beiden italienischen Wahlschwaben Vanzella und Belgrado beharrten auf ihrer Position und gingen mit der Neuauflage der David und Goliath-Geschichte an die Presse: Nach einem Bericht des ZDF-Wirtschaftsmagazins "Wiso" wurden die Stuttgarter mit Solidaritätsbekundungen regelrecht überschwemmt. "Wir sind aus ganz Deutschland angeschrieben worden", so Daniela Vanzella. Die Position des Konzerns habe niemand verstanden. Auch Bacardi erhielt Post: Beschwerdebriefe zuhauf. Ein spanischer Unternehmer war so in Rage, dass er per E-Mail einen Boykott ankündigte: "Mit sofortiger Wirkung und aus Solidarität werden alle Bars und Restaurants unserer Tochterfirma mit neun Lokalen an der Costa Brava, in Barcelona, Madrid und Sevilla keine Bacardi-Produkte mehr kaufen."

Patentamt München: Wies den Einspruch Bacardis zurück
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Die schlechte Presse fing an, dem Unternehmen weh zu tun - keine Spur von relaxter Stimmung unter Palmen, vom berühmten "Bacardi-Feeling". Um das Goliath-Image loszuwerden, erinnerte Bacardi in einem Schreiben an die Stuttgarter an seinen mühevollen Aufstieg und die "entschädigungslose Enteignung während der kubanischen Revolution", den das Unternehmen nur "dank der Kraft seiner international eingetragenen Marke" habe überwinden können.

Vergangene Woche erhielten die beiden Wahlschwaben erneut ein Fax der Bacardi-Anwälte: "Nachdem unsere Mandantin nun von der konkreten Form des Etiketts Kenntnis genommen hat, hat sich unsere Mandantin entschlossen, das Widerspruchsverfahren zu beenden."

Das Paar kann jetzt also seinen Wein auch per Internet verkaufen und hat für das Restaurant eine Gratis-Werbekampagne gehabt: "Wir haben gedacht: Wer uns am meisten helfen kann, sind die Medien. Die Rechnung ging auf", sagt Vanzella.

Bacardi Logo Fledermaus: "Entschädigunslose Enteignung während der kubanischen Revolution"
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Im Hause Bacardi wollte man sich nicht dazu äußern, warum das Verfahren eingestellt wurde. Es habe nichts mit der schlechten Presse zu tun. Die Sprecherin von Bacardi Deutschland, Tanja Knott, räumte jedoch ein: "Natürlich war diese Sache für uns sehr unschön." Besonders ungehörig fand sie die Rolle des Goliaths, die dem internationalen Konzern in fast allen Berichten zugeschrieben wurde: "Da hab ich persönlich ein tränendes Auge gehabt, weil das natürlich doch sehr ungerecht ist."



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