Kleinkrieg um Großflughafen Störfeuer durch Wasserwerke

Beim Streit um den geplanten Großflughafen Berlin-Schönefeld werden die Anträge der Airport-Gegner immer skurriler. Jetzt drohen angeblich sogar bei der Anhörungshalle "Gefahren für Leib und Leben aller Menschen".

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Protest gegen den geplanten Großflughafen in Berlin
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Protest gegen den geplanten Großflughafen in Berlin

Berlin - Schon vor dem Feldzug gegen den Bau des Großflughafens Berlin Brandenburg International (BBI) hatte Ferdi Breidbach die Marschroute ausgegeben: "Die Taktik zur Durchsetzung unserer Strategie schließt ein, den Gegner mit Störfeuer und Nebelbomben so unter Druck zu setzen, dass er Fehler macht, die nicht mehr heilbar sind", erklärte der Vorsitzende des Bürgervereins Brandenburg-Berlin (BVBB). Und: "Wir setzen auf Zeit und Geld".

Um den für das Jahr 2003 avisierten Baubeginn zu verhindern, haben die Flughafengegner jetzt einen neuen Antrag gestellt, der das bombastische Anhörungsverfahren in der Rathenauhalle in Berlin-Oberschöneweide verzögern soll. Bei der Begründung geht es um den "konkreten Zeitpunkt der Unterquerung des Schildvortriebes zum Bau der Abwasserleitung Biesdorf-Wassmannsdorf der Berliner Wasserwerke". Im Klartext: Chefmoderator Joachim Leyerle müsse die Anhörung zwischen dem 18. Juni und 2. Juli unterbrechen, da durch die Baumaßnahmen 20 Meter unter der Halle "die Gefahr nicht schätzbarer Havarien und Katastrophen" bestehe.

"Schon herunterfallende Glasscheiben aus dem Dachbereich der Halle können für die Teilnehmer eine tödliche Gefahr bedeuten", heißt es weiter. Die Gegenseite versucht sich durch diese permanenten Störfeuer nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. "Wir gehen jedem Hinweis nach, sei er auch noch so skurril", sagte Lothar Wiegand vom Brandenburger Ministerium für Stadtentwicklung, Wohnen und Verkehr gegenüber SPIEGEL ONLINE. "Unsere Geduld ist unendlich", gibt er den Flughafengegnern mit auf den Weg.

Auch im konkreten Fall fühlt sich das Ministerium auf der sicheren Seite. "Wir haben durch Gutachten nachgewiesen, dass die Arbeiten keine Auswirkungen haben werden. Außerdem gibt es eine Genehmigung der Berliner Wasserwerke."

Diese Computersimulation zeigt den Außenbereich des geplanten Großflughafens Berlin-Schönefeld
DPA

Diese Computersimulation zeigt den Außenbereich des geplanten Großflughafens Berlin-Schönefeld

Der erwartet große tägliche Ansturm der Flughafengegner ist bei der Anhörung ausgeblieben. Die Rathenauhalle kann zwar 5000 Menschen beherbergen, zurzeit folgen aber durchschnittlich 150 Anwohner dem Verfahren. 133.000 Einwendungen gegen das Großprojekt waren eingegangen. Höhepunkt des Aufstandes gegen den Riesenflughafen bleiben damit offenbar die Eröffnungstage Ende Mai. Damals hatten die Flughafengegner in bester Wende-Tradition immer wieder "Wir sind das Volk" gerufen, um so dagegen zu protestieren, dass die Beschwerden der Berliner und Brandenburger Bürger an verschiedenen Tagen behandelt werden. Die Betonung lag dabei unglücklicherweise nicht auf Wir, sondern auf Volk - kleiner Schönheitsfehler dieser sicherlich nicht spontanen Willensäußerung.



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