Habgier gegen Zukunft: Was der "Fridays for Future"-Ferienstreik zeigt

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Dieser Beitrag wurde am 30.06.2019 auf bento.de veröffentlicht.

Mit dem Beginn der Sommerferien in einigen Bundes- und EU-Ländern hat die Hoffnung der Kritiker und Kritikerinnen von "Fridays for Future" auf ein Verpuffen der Proteste ein Ende. Trotz schulfrei – sei es wegen der Ferien oder des auf Fronleichnam folgenden Brückentags – schwitzte die Jugend am vergangenen Wochenende lieber bei sommerlichen Temperaturen zu Fuß auf den Straßen von Aachen, statt sich am See, im Schwimmbad oder im Urlaub abzukühlen.

Wer hätte das gedacht – den Schülerinnen und Schülern bei "Fridays for Future" geht es also gar nicht ums Schuleschwänzen!

Kolumne: Gestern ihr, morgen wir

Klimaschutz, Artikel 13, Gleichberechtigung: Ständig muss man die Verantwortlichen daran erinnern, nicht nur "Alte-Leute-Poltik" zu machen. Madeleine Hofmann  bleibt geduldig: In ihrer Kolumne "Gestern ihr, morgen wir" macht sie darauf aufmerksam, wo diese jungen Leute mal wieder vergessen wurden – und was getan werden muss, um endlich für Generationengerechtigkeit zu sorgen. 

Der erste internationale Klimastreik von "Fridays for Future" in Deutschland brachte zwischen 10.000 und 40.000 Menschen zusammen, die Angaben von Polizei und Veranstaltern gehen diesbezüglich auseinander (WDR ). Die Message der Jugend: Klimaschutz jetzt! Jugendliche aus 16 Ländern sollen dafür nach NRW gereist sein.

Dass ihre Wut gerade nicht abflacht, ist auch einer ganz besonderen Gruppe größtenteils älterer Menschen zu verdanken – den Staats- und Regierungschefs der EU-Länder. 

Am Donnerstag vorvergangener Woche hatten sie sich stundenlang zur gemeinsamen Klimapolitik beraten. Es ging um das Ziel der Klimaneutralität bis 2050 – bis zu einem Jahr also, in dem selbst die streikenden Schülerinnen längst ihre Jugend hinter sich gelassen hätten und die Entscheidenden den weitaus größten Teil ihres Lebens. 

Doch nicht einmal in diesen drei Jahrzehnten wollen sich alle Gipfelteilnehmerinnen und -teilnehmer von den Klimasünden Öl, Kohle und Gas verabschieden – die Beratungen sind gescheitert. (Tagesschau 

Das EU-Klimadesaster zeigt einmal mehr: Der Klimawandel kennt keine Grenzen, Klimapolitik offenbar schon. 

Investitionen in erneuerbare Energien sind für Länder wie Polen, Ungarn und Tschechien scheinbar unbequem – genau wie es eine Einigung für generationengerechte Klimapolitik mit ebendiesen Ländern für die restlichen Mitgliedsstaaten ist. 

Die genannten Osteuropäer setzen bei der Energieerzeugung nämlich besonders stark auf Kohle, und die Oberhäupter der restlichen Mitgliedsstaaten sind beim Thema Klimaziele scheinbar nicht so leidenschaftlich, dass sie sich die Mühe machen würden, weiter zu debattieren: Die Jahreszahl wurde schlicht aus der Abschlusserklärung gestrichen. 

Jetzt werkelt jedes EU-Land wieder mal allein vor sich hin. Ein Konzept, das den meisten jungen Europäerinnen und Europäern fremd ist. Die Jugend hat nämlich längst verstanden, wogegen alte EU-PolitikerInnen sich hartnäckig sträuben: Eine gerechte Zukunft schaffen wir nur gemeinsam. 

Den Demonstrierenden reicht es: Sie wollen beim Ausspielen der Bürgerinnen gegeneinander durch Politik und Wirtschaft nicht mehr mitmachen. 

  • Klimapolitik ist nicht für alle bezahlbar, kostet zu viele Jobs, verursacht hohe Steuern, Stromkosten und Spritpreise? Dann braucht es eben verträgliche Konzepte. (DW 
  • Der vegane Öko-Hippie als Buhmann (SPIEGEL ONLINE), während Politikerinnen und CEOs der Energie- und Automobilkonzerne bequem die Füße hochlegen (SPIEGEL ONLINE)? Nicht mit uns. 

Bei der Klimapolitik geht es nicht um arme gegen reiche, privilegierte gegen weniger priveligierte Bürgerinnen und Bürger – es geht um Habgier gegen Zukunft. 

Eine durch und durch internationale Jugend hat das erkannt und als "Fridays for Future" Bewegung ein Umdenken in weiten Teilen der Gesellschaft bewirkt. 

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Deshalb streikten am Freitag in Aachen nicht nur Schülerinnen, Studierende und Auszubildende, sondern auch ihre Eltern, Lehrerinnen und Lehrer und alle, denen die Klimapolitik zu langsam oder nicht weit genug geht. Und sie kamen nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Spanien, Polen, Dänemark und anderen europäischen Ländern. Es war ein starkes internationales Bekenntnis zu einer gemeinsamen, besseren Zukunft. 

So, wie man es sich auch aus Brüssel häufiger einmal wünschen würde. 

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