Knabber-Terror Öko-Chipstüte raschelt so laut wie ein Rasenmäher

Eine Chipstüte, die sich selber kompostiert - mit dieser Idee hoffte eine Firma aus Kanada den Geschmack der umweltbewussten Knabberfans zu treffen. Dumm nur, dass das Material einen gravierenden Nachteil hat: Es ist so laut, dass es beim Essen stört.
Biologisch abbaubare Chipstüte: So laut, dass es beim Fernsehgucken stört

Biologisch abbaubare Chipstüte: So laut, dass es beim Fernsehgucken stört

Montreal - Für die Umwelt ist sie eine Wohltat: die Chipstüte, die sich binnen Wochen selbst kompostiert. Doch für das menschliche Ohr wird die ökologische Verpackung des US-Snackherstellers Frito-Lay zur Qual. Mehr als 90 Dezibel erreicht das Knistern der biologisch abbaubaren "Sunchips"-Tüte und ist damit so laut wie ein Rasenmäher. Unvorstellbar, im Kino aus solch einer Verpackung Chips zu knabbern. Die Tüte regt auf und ärgert die Verbraucher - vor allem in den USA, wo sie inzwischen aus den Supermärkten verschwunden ist.

Das Videoportal Youtube ist voll von Beiträgen, in denen sich Knabberfans über das laute Knistern mokieren. "Dieser Lärm ist unglaublich", urteilt ein junger Mann, der vor laufender Kamera mit einer der neuen Tüten raschelt. "Man versteht sein eigenes Wort nicht mehr", geschweige das von Schauspielern, Serienhelden oder Moderatoren im Fernsehen.

Im Online-Netzwerk Facebook schlossen sich Zehntausende "Sunchips"-Fans zu einer Gruppe zusammen und forderten die alte Verpackung zurück.

Anderthalb Jahre nach der Einführung hat die Firma die umweltfreundliche Tüte in den USA wieder vom Markt genommen. Einer Studie zufolge waren die Verkäufe der "Sunchips" um fast elf Prozent eingebrochen - trotz der umweltfreundlichen Innovation ihrer Verpackung, an der die Produktentwickler vier Jahre lang gearbeitet hatten.

Im benachbarten Kanada jedoch verfolgt der Snackhersteller eine andere Strategie. Mit rotem Schal und schwarzer Lederjacke wendet sich die örtliche Unternehmens-Vizechefin Anne-Marie Renaud auf Youtube direkt an die Verbraucher. "Gehen Sie in den nächsten Supermarkt und kaufen Sie eine Tüte", fordert sie die Internetnutzer auf. "Wenn sie das Knistern für zu laut halten, dann teilen sie uns das mit und wir schicken Ihnen ein paar Ohrstöpsel", fügt sie lächelnd hinzu.

"Ich bin stolz darauf, wie sehr wir in Kanada unsere Umwelt schützen", sagt Renaud und zeigt die bereits nach 14 Wochen kompostierten Überreste einer Chipstüte. "Der Kompromiss ist ganz einfach: etwas mehr Rascheln für etwas weniger Müll." Die Botschaft ist klar: Wer ernst machen will mit dem viel beschworenen Umweltschutz, muss das in Kauf nehmen können.

Auch Umweltschützer haben sich auf die Seite des Unternehmens geschlagen. "Endlich bietet ein Hersteller den Verbrauchern einmal eine konkrete Lösung an", sagt Antoine Garcia-Suarez vom Ökoverband RE-buts in Montreal. "Die Verpackung braucht nur in den Kompost gegeben werden. Jetzt muss der Verbraucher entscheiden."

Manche umweltbewussten Chips-Esser in den USA protestieren bereits dagegen, dass Frito-Lay die Öko-Tüte in den Vereinigten Staaten wieder aus dem Verkehr gezogen hat. Ein wenig Lärm könne die Müllvermeidung schon vertragen, argumentieren sie. Eine Facebook-Gruppe mit dem Namen "Führt die kompostierbare Sunchips-Tüte wieder ein" hat allerdings erst 110 Mitglieder. Das Unternehmen arbeitet derweil an einer neuen, leiseren Variante. In spätestens einem Jahr soll sie auf den Markt kommen.

kng/AFP