Knut-Verkauf Buhlen um den Bären

Hunderte Besucher und Reporter aus aller Welt kamen heute nach Berlin, um Eisbär Knut beim Verspeisen seiner Geburtstagstorte zuzuschauen. Seine tapsige Niedlichkeit ist dahin, doch für potenzielle Käufer hat Zoo-Star Knut nichts von seiner Attraktivität eingebüßt.

Von Lisa Sonnabend


Berlin - Kaum war Jasmin Sambrano, aus Caracas kommend, in Berlin gelandet, fuhr sie in den Zoo. "Als ich Knut sah, habe ich angefangen zu weinen", erzählt die Venezolanerin. Die 57-Jährige ist eigens wegen des jungen Eisbären nach Berlin gereist. "Knut ist ein Symbol dafür, dass Liebe mehr bewirken kann als Krieg", sagt sie.

Jasmin Sambrano ist eine von Hunderten Besuchern und Reportern, die heute in den Berliner Zoo kamen, um den ersten Geburtstag des Phänomens Knut zu feiern. Dessen Fell ist nicht mehr weiß, sondern schmutzig. Er wiegt nicht mehr 880 Gramm, sondern 115 Kilo. Putzig anzuschauen ist er nach wie vor. Sein Publikum lächelt beseelt, wenn er sich tapsig übers Gelände bewegt, Männchen macht und die Pfote in Richtung Zuschauerreihen hebt.

Schon bei seinem ersten öffentlichen Auftritt im März drängelten sich 500 Journalisten. Der kleine Eisbär zierte wochenlang die Zeitungen, auch internationale Blätter wie die "New York Times" berichteten über "Cute Knut". Dem Berliner Zoo bescherte er Rekordumsätze: Zum ersten Mal in der 163-jährigen Geschichte des Zoos kamen mehr als drei Millionen Besucher im Jahr, teilte der Zoo mit. Rund zehn Millionen Euro hat Knut dem Zoo bislang eingebracht. Für jede verkaufte Packung Knut-Gummibären erhält der Zoo eine Erlösbeteiligung, für jedes verkaufte Knut-Buch, für jedes Knut-Plüschtier.

Wohin mit Knut? Der Zoo Münster buhlt mit Geschenken

Bis Mai 2008 wird Knut im Berliner Zoo bleiben, dann wird sein Gehege zu klein sein. Wohin mit Knut? Das Buhlen um den Bären hat längst begonnen. Mehrere Tiergärten sollen bereits Interesse an dem Umsatzgaranten angemeldet haben, wie zum Beispiel der Zoo in Münster. Zum Geburtstag schickten die Münsteraner ein Gratulationsschreiben und einen Basketball.

Solange werden wohl weiterhin täglich hunderte Knutianer in den Berliner Zoo pilgern - aus aller Welt. Die Belgierin Christine Falaise ist nach dem Besuch begeistert: "In dem Moment, als ich Knut sah, verliebte ich mich", sagt die 32-Jährige. "Er ist eine Art Verbindung zwischen Mensch und Tier, das passiert nicht oft." Judy Lydecker aus den USA sagt: "Ich sah Knut das erste Mal im September, er berührte mich, ich musste kommen, um ihn zu sehen."

In den vergangenen Tagen sind zahlreiche Geschenke von Knut-Fans eingetroffen, Zoobesucher haben ihm Süßigkeiten mitgebracht, ein Kinder-Chor singt "Happy Birthday". Um elf Uhr lieferte sein Pfleger Thomas Dörflein ihm die Geburtstagstorte ab: ein Gemisch aus Obst, Gemüse und Eis, in der Mitte eine Holzkerze mit aufgemalter Eins.

Knuts Vita, wenn auch kurz, bietet einiges an Dramatik: Von der Mutter als Winzling verstoßen, starb erst sein Bruder, dann schwebte Knut selbst in Lebensgefahr. Die ganze Welt Anteil, als der schneeweiße Petz fortan in der Obhut seines Pflegers Dörflein zum Medienstar gedieh.

Dörfleins Wünsche für seinen Zögling: "Dass er in einen anderen Zoo kommt, wo er es gut hat: ein großes Gehege, eine Partnerin", so der Tierpfleger in der "Bild"-Zeitung. Ein Wunsch, den die meisten Besucher nicht teilen, sei wollen nicht, dass Knut weggeht. Gudrun Berger, die sich eine Dauerkarte für den Zoo gekauft hat und einen Eisbärenanhänger an ihrem Rucksack trägt, sagt: "Erst war er so knuffig, jetzt ist er so schön proper." Und fügt hoffnungsvoll hinzu: "Vielleicht baut der Zoo ja doch noch ein neues Gehege, Geld dafür haben sie jetzt ja."

Auch Zoodirektor Bernhard Balszkiewitz ist zu Knuts Geburtstagsparty gekommen. "Ich wünsche Knut, dass er wie für einen Eisbären typisch 30 bis 40 Jahre alt wird", sagt Balszkiewitz. "Und dass er sich fortpflanzt, aber so wie er aussieht, dürfte das ja kein Problem sein." Bundesumweltminister Sigmar Gabriel, dem die Ehre zufiel, Knuts Patenschaft übernehmen zu dürfen, trat nach Angaben des Zoos bereits am vergangenen Wochenende an, um Knut artig zu gratulieren. "Das Geburtstagsgeschenk für Knut ist, dass wir für seine Verwandten das Eis erhalten wollen in der Arktis", so Gabriel. Sprach's und reiste zum Klimagipfel nach Bali ab.

Imoto Satoshi, der für den japanischen Fernsehsender TBS in Tokio arbeitet, sagt: "In Japan lieben sie Knut." Satoshi war schon ein paar Mal hier, als Knut noch klein und süß war. Jetzt sei er schon nicht mehr so niedlich, findet er. "Wahrscheinlich bin ich heute zum letzten Mal hier."

Mitarbeit: Lucy Christie und Charles Hawley



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