Kirchen gedenken 23.000 Glockenschläge erinnern an ertrunkene Flüchtlinge

Jeder Schlag steht für einen Toten: Hunderte Kirchen im Erzbistum Köln haben mit insgesamt 23.000 Glockenschlägen der im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlinge gedacht.
Kardinal Woelki und die Glocke "Dicker Pitter": "Wir läuten für eine Globalisierung der Nächstenliebe"

Kardinal Woelki und die Glocke "Dicker Pitter": "Wir läuten für eine Globalisierung der Nächstenliebe"

Foto: Federico Gambarini/ dpa

Seit dem Jahr 2000 hätten 23.000 Menschen im Mittelmeer ihr Leben verloren, sagte der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki bei einer ökumenischen Gedenkfeier auf dem Vorplatz des Doms. Um das nicht zu vergessen, haben die Kirchen im Kölner Erzbistum am Freitagabend mit 23.000 Glockenschlägen an die ertrunkenen Flüchtlinge im Mittelmeer erinnert.

Woelki kritisierte die derzeitige Flüchtlingspolitik Europas und ermahnte zu mehr Nächstenliebe. Für die Toten sei es zu spät. "Aber es ist noch nicht zu spät für all diejenigen, die sich auch weiterhin auf den Weg nach Europa machen", sagte Woelki. Das bistumsweite Glockengeläut solle einen Weckruf für Gesellschaft und Politik darstellen.

Im Kölner Dom läutete die mächtigste Glocke der Kirche. Der "Dicke Pitter", die größte schwingende Glocke der Welt, wird traditionell nur zu besonderen Anlässen und an hohen kirchlichen Feiertagen geläutet.

Insgesamt beteiligten sich an dem Solidaritätsabend 230 Kirchen von Wuppertal über Düsseldorf bis Bonn. Das Zusammenspiel war auch rein praktisch nötig, um Tausende Glockenschläge binnen kurzer Zeit zu ermöglichen. Woelki erläuterte, "würde eine Glocke alle zwei Sekunden erklingen, bräuchte sie für die 23.000 Schläge zwölf Stunden."

Die Totenglocken sollen laut Woelki "eine europäische Flüchtlingspolitik einfordern, die einen legalen Weg für Flüchtlinge nach Europa schafft".

sun/AFP/dpa
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