Köln CDU-Politiker wegen Schuss auf jungen Mann zu Haftstrafe verurteilt

Hans-Josef B. soll Passanten rassistisch beleidigt, bedroht und einen von ihnen angeschossen haben. Jetzt wurde der ehemalige CDU-Politiker zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.
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Ein früherer CDU-Kommunalpolitiker ist vom Landgericht Köln wegen gefährlicher Körperverletzung, Beleidigung und illegalen Waffenbesitzes zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Nach Auffassung der Kammer hatte der 74-jährige Hans-Josef B. im Jahr 2019 auf einen 20-Jährigen geschossen und ihn verletzt, wie eine Gerichtssprecherin sagte. Damit fiel das Urteil etwas milder als die Forderung der Staatsanwaltschaft aus, die drei Jahre und neun Monate Haft beantragt hatte.

Zusammen mit drei Bekannten soll das Opfer zum Tatzeitpunkt am Haus des Kommunalpolitikers vorbeigelaufen sein. »Dreckspack«, »Dreckskanaken« und »Drecksausländer« soll B. den jungen Leuten zugerufen haben, als diese Wodka trinkend und Musik hörend vorbeizogen. Nach einem Wortgefecht habe B. dann zur Waffe gegriffen und auf den 20-Jährigen geschossen. Das Projektil bohrte sich durch den rechten Oberarm und trat an der Schulter wieder aus.

B. soll keine Erlaubnis für den Waffenbesitz gehabt haben und zum Tatzeitpunkt betrunken gewesen sein. Er wurde kurz nach der Tat festgenommen.

Das Kölner Landgericht befand den Angeklagten nun der gefährlichen Körperverletzung in Tateinheit mit einem Verstoß gegen das Waffengesetz und Beleidigung für schuldig. Der 74-jährige Deutsche habe eine »fremdenfeindliche Gesinnung« an den Tag gelegt.

»Bösartige und perfide Tat«

Der Angeklagte hatte den Schuss auf den jungen Mann durch seine Verteidiger am ersten Verhandlungstag zwar eingeräumt, aber als Unfallgeschehen darstellen lassen. Rassistische Motive hatte er abgestritten.

Das Gericht kam nach acht Verhandlungstagen, 20 vernommenen Zeugen und drei Sachverständigengutachten zu einer anderen Einschätzung. Demnach hat der 74-Jährige »einen gezielten Schuss in Richtung Oberkörper« seines Opfers abgegeben.

In seinem Schlussvortrag hatte der Ankläger von einer »bösartigen und perfiden« Tat gesprochen. Der Angeklagte habe sein Opfer aufgefordert: »Komm auf mein Grundstück, dann knall ich dich ab.« Weder in seiner durch die Verteidiger am ersten Prozesstag verlesene Einlassung noch in seinem letzten Wort habe der Angeklagte ein Zeichen des Bedauerns gezeigt.

Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert und den Geschädigten und Nebenkläger als »Hochstapler und Lügner« bezeichnet.

In Köln schlug der Fall hohe Wellen. Vor allem in den sozialen Netzwerken wurde die Tat diskutiert. Die linke Initiative »Tatort Porz« rief nach der Urteilsverkündung zum Protest auf. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, Revision kann eingelegt werden.

ala/AFP