Erzbistum Köln Führender Geistlicher distanziert sich von Kardinal Woelki

Die Gläubigen im Bistum Köln hatten Kardinal Rainer Maria Woelki zuletzt bereits das Vertrauen entzogen. Nun äußert auch Kölns Stadtdechant deutliche Kritik – und zeigt Verständnis für Kirchenaustritte.
Kardinal Woelki: Wachsender Druck von Gläubigen und ranghohen Kirchenvertretern

Kardinal Woelki: Wachsender Druck von Gläubigen und ranghohen Kirchenvertretern

Foto: JACK GUEZ / AFP

Der Rückhalt für den in die Kritik geratenen Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki schwindet weiter. Nachdem sich zuletzt der Diözesanrat, der die praktizierenden Katholiken in den Gemeinden des Bistums vertritt, gegen Woelki gestellt hatte, geht nun erstmals ein ranghoher Geistlicher auf Distanz zum Kardinal.

Die Gläubigen würden »mürbe gemacht« und ein Stück weit in Mithaftung für das Verhalten der Bistumsleitung im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal genommen, sagte Stadtdechant Robert Kleine dem »Kölner Stadt-Anzeiger «. Einen Kirchenaustritt könne er derzeit niemandem verdenken. Kleine vertritt die katholische Kirche in der Stadt Köln.

Woelki steht seit Monaten massiv in der Kritik, weil er ein von ihm selbst in Auftrag gegebenes Gutachten zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs im Erzbistum zurückhält. Der Erzbischof begründet das mit rechtlichen Bedenken. Auch das Angebot der mit dem Gutachten beauftragten Kanzlei, die Ergebnisse auf eigene Verantwortung zu publizieren, schlug er aus.

Außerdem gibt es gegen Woelki selbst einen Vertuschungsverdacht. Obwohl der Verdacht seit Wochen dem Vatikan vorliegt, äußerte sich Papst Franziskus bislang nicht dazu.

Kleine sprach sich nun für personelle Konsequenzen aus. »In vielen anderen Bereichen übernehmen Führungskräfte sogar politische Verantwortung für Fehler, die sie sich persönlich nicht einmal zurechnen lassen müssen«, sagte er der Zeitung. Im Erzbistum Köln seien Verantwortliche auch persönlich involviert gewesen und müssten daher erst recht dafür einstehen.

Stadtdechant sieht Glaubwürdigkeit »am seidenen Faden«

Spätestens mit der Veröffentlichung eines von Woelki in Auftrag gegebenen Ersatzgutachtens im März müssten Konsequenzen bekannt gegeben und vollzogen werden, sagte Kleine nun. Wenn es überhaupt noch Glaubwürdigkeit gebe, hänge diese »am seidenen Faden«.

Zuvor hatten Pfarrer in einem Brandbrief an Woelki einen »Glaubwürdigkeits- und Vertrauensverlust« beklagt. Der Diözesanrat setzte die Mitarbeit an einem von Woelki eingeleiteten Zukunftsprozess aus. Das Kölner Amtsgericht verzeichnete daraufhin einen Anstieg der Kirchenaustritte.

fek/AFP
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