Krieg in der Ukraine Kölner Karnevalisten sagen Rosenmontagsfest ab

Angesichts des Kriegs in der Ukraine soll eine Friedensdemonstration das Kölner Rosenmontagsfest ersetzen. Auch Bürgermeisterin Henriette Reker ist beim Karnevalsauftakt nicht zum Feiern zumute.
Jecken in Köln

Jecken in Köln

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Rolf Vennenbernd / dpa

Wegen des Kriegs in der Ukraine hat das Festkomitee Kölner Karneval das für Montag geplante Rosenmontagsfest mit einem Umzug im Rheinenergiestadion abgesagt. Stattdessen werde man eine Friedensdemonstration mit Persiflage-Wagen auf Plätzen in der Kölner Innenstadt organisieren, sagte ein Sprecher des Festkomitees der Nachrichtenagentur dpa.

Das Rosenmontagsfest war als coronagerechter Ersatz für den Rosenmontagszug gedacht. Der Kölner Rosenmontagszug sollte dabei durchs Fußballstadion ziehen.

Zuvor hatte die Kölner Bürgermeisterin Henriette Reker gesagt, sie möchte wegen des Kriegs nicht Karneval feiern. Sie sagte, sie sei sich darüber im Klaren, dass es durch den Karnevalsauftakt »Bilder geben wird, die Kopfschütteln verursachen werden«. Sie persönlich könne den Karneval und den Krieg in der Ukraine nicht miteinander verbinden, aber für viele andere sei der Karneval wichtig.

»Jede und jeder muss das für sich selbst entscheiden, ob das der richtige Augenblick ist zu feiern«, sagte Reker: »Ich feiere nicht.« Bei einem Empfang im Kölner Rathaus hielt sie eine Schweigeminute für die Leidtragenden des russischen Angriffs ab.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) sprach sich klar dafür aus, Karnevalsumzüge abzusagen. »Krieg und Karneval in Europa passen nicht zusammen«, sagte Wüst in Düsseldorf. »Mir persönlich ist überhaupt nicht zum Feiern zumute in diesen Stunden. In diesem traurigen Moment, in dem der Krieg zurückgekehrt ist nach Europa, halte ich Karnevalszüge für völlig unangemessen.«

Festkomitee: Absage »das falsche Signal«

Noch am Morgen hatte das Festkomitee Kölner Karneval gesagt, eine Absage der Feierlichkeiten wäre »das falsche Signal« und organisatorisch so kurzfristig auch nicht möglich. Sicherlich gehe das Geschehen in der Ukraine nicht spurlos an den Karnevalisten vorüber. »Aber wir haben gerade auch in der jüngeren Vergangenheit gelernt, dass der Karneval in Krisenzeiten eine wichtige Funktion für die Menschen hat«, teilte das Festkomitee mit. Sich die Grenzen des Frohsinns von einem Despoten diktieren zu lassen, entspreche nicht dem Gedanken des Karnevals.

So hatte das Kölner Dreigestirn um 11.11 Uhr auf dem Alter Markt mit einem Countdown und dreimal »Kölle Alaaf« offiziell den Straßenkarneval eröffnet. »Wir schunkeln nicht an den Sorgen der Menschen vorbei«, rief Jungfrau Gerdemie (Björn Braun) von der Bühne.

An anderen Orten wurden Karnevalsveranstaltungen wegen des Kriegs in der Ukraine abgesagt, so etwa der Rathaussturm in Saarbrücken. »Ein Krieg mitten in Europa. Wir fühlen mit den Menschen in der Ukraine und können heute nicht Frohsinn walten lassen«, sagte Saarbrückens Oberbürgermeister Uwe Conradt (CDU). Auch der Rathaussturm in Erfurt wurde abgesagt.

kha/dpa
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