Kölner Stadtarchiv Zweiter geborgener Toter ist der vermisste Student Khalil

Zehn Tage nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs gibt es auch für die Familie von Khalil G. traurige Gewissheit: Bei dem zweiten aus den Trümmern geborgenen Toten handelt es sich um den seit dem Unglück vermissten Studenten.


Köln - Der Vater habe seinen Sohn eindeutig identifiziert, teilte die Polizei am Freitag mit. "Er hatte null Überlebenschancen", sagte Feuerwehr-Chef Stephan Neuhoff. Der Leichnam sollte noch im Lauf des Tages nach Marokko übergeführt werden.

Der Designstudent, der im Dachgeschoss eines an das Stadtarchiv grenzenden Wohnhauses gelebt hatte, rauschte 21 Meter in die Tiefe, wie Neuhoff erklärte. Über ihm hätten zehn Tonnen Schutt gelegen. "Das zu überleben, war aussichtslos", betonte er. Allein aufgrund des äußeren Erscheinungsbildes des Leichnams müsse von einem sofortigen Tod Khalils ausgegangen werden, erklärte auch die Polizei.

Die Einsatzkräfte hatten die Leiche am Donnerstagabend rund 9,50 Meter unter Straßenniveau auf dem Gebiet des ehemaligen Wohnhauses von Khalil entdeckt. Die Fundstelle ist den Angaben zufolge nur vier Meter von der Stelle entfernt, an der am Wochenende die Leiche des 17-jährigen Bäckerlehrlings Kevin K. geborgen worden war. Weitere Personen werden seit dem Einsturz des Stadtarchivs am Dienstag vergangener Woche nicht vermisst.

Mit bloßen Händen gearbeitet

Die Bergung der zweiten Leiche gestaltete sich schwierig, weil Schutt und Geröll nachzurutschen drohten. Am Donnerstagabend war zunächst ein Teil eines Beines unter den Trümmern entdeckt worden. Laut Polizei wurde die Stelle daraufhin "sehr sensibel freigelegt". Teilweise hätten die Einsatzkräfte mit bloßen Händen gearbeitet.

Oberbürgermeister Fritz Schramma äußerte sich bestürzt über die zweite Todesnachricht. "Auch wenn die Aussicht, aus diesem Trümmerfeld einen Menschen retten zu können, von den Fachleuten von Anfang an als nicht allzu wahrscheinlich eingeschätzt wurde, gab es dennoch Hoffnung", sagte er. Die ganze Stadt betrauere das Todesopfer, das dieses schreckliche Unglück gefordert habe. Auch die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) sprachen den Angehörigen ihr Beileid aus. Bauarbeiten in einem Schacht der Nord-Süd-Stadtbahn gelten als möglicher Auslöser der Katastrophe, bei der das Historische Stadtarchiv und zwei Wohngebäude wie Kartenhäuser in sich zusammengefallen waren.

Nach der Bergung des zweiten Vermissten will sich die Feuerwehr nun ganz auf die Rettung der Archivalien im Wert von mehreren Millionen Euro konzentrieren. "Auf uns wartet noch eine Arbeit von Monaten", sagte Neuhoff. Die Unglücksstelle sei inzwischen mit einem Drahtzaun abgesichert und werde Tag und Nacht überwacht.

ler/AP



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