Bericht der »Sunday Times« Truss soll König Charles' Teilnahme am Weltklimagipfel verhindert haben

Eigentlich wollte König Charles III. beim Weltklimagipfel in Kairo eine Rede halten. Einem Bericht zufolge hat ihn nun Premierministerin Liz Truss ausgebremst: Das sei nicht passend, er möge sich fernhalten.
König Charles III., Premierministerin Liz Truss am 9. September: Audienz in »höflicher« Atmosphäre

König Charles III., Premierministerin Liz Truss am 9. September: Audienz in »höflicher« Atmosphäre

Foto: i Images / IMAGO

Der britische König Charles III. wird entgegen seinen bisherigen Plänen im November nicht zum Weltklimagipfel nach Ägypten reisen. Das bestätigte der Buckingham-Palast dem Sender Sky News. Zuvor hatte die »Sunday Times« berichtet, die neue Premierministerin Liz Truss habe dem König mitgeteilt, es sei besser, wenn er sich vom Klimagipfel fernhalte.

Für den britischen Souverän ist das eine neue Erfahrung. Charles gibt sich seit den Siebzigerjahren als Vorreiter umweltbewussten Denkens und ausgesprochener Befürworter klimafreundlicher Politik. Das lässt sich von der Regierung von Liz Truss nicht sagen. Sie will in Großbritannien zum klimaschädlichen Fracking zurückkehren, neue Gasfelder erschließen und hat den erzkonservativen Jacob Rees-Mogg zum Energieminister gemacht, der sich in der Vergangenheit skeptisch zum Klimawandel geäußert hat.

Nach Informationen der »Sunday Times« soll Truss dem König im September im Rahmen einer Privataudienz im Buckingham Palace ihren Standpunkt klargemacht haben. Trotzdem, ließ ein Sprecher der Premierministerin wissen, sei das Treffen »höflich« verlaufen, es habe »keinen Streit« über die Frage gegeben. Palast und Regierung, berichtet die »Sunday Times«, hätten gemeinsam beschlossen, dass es »passendere Optionen für den ersten Staatsbesuch des neuen Königs« gebe.

Britische Monarchen: Nur repräsentative Staatsdarsteller

Der Palast ließ derweil zur Sache wissen, die Entscheidung sei in dem Geiste getroffen worden, dass Charles als britisches Staatsoberhaupt durchgängig darauf bedacht sei, »auf Anraten der Regierung« zu handeln.

Das ist eine euphemistische Umschreibung für ein offenes Geheimnis: Das Königshaus mischt sich in die Politik des Vereinten Königreiches bisher in aller Regel nicht ein. Äußerungen zu Entscheidungen der jeweils Regierenden sind von Charles' Mutter, der kürzlich verstorbenen Queen Elizabeth II., nicht bekannt. Es wird von den Monarchen bisher erwartet, dass sie keine von der Linie der jeweiligen Regierung abweichende politische Agenda vertreten.

Als Repräsentant einer Regierung, die eher Klima-skeptische Positionen vertritt, würde es Charles so künftig wohl schwer haben, seine seit Jahrzehnten propagierten Positionen zu vertreten. Trotz der diplomatischen Töne aus Palast und Downing Street deutet sich aber bereits an, dass Charles dies möglicherweise nicht ohne Widerstand hinnehmen wird.

König sein bedeutet mehr politische Zurückhaltung

Eine namentlich nicht bekannte Quelle aus dem Umfeld des Königs sagte der »Times«, Charles sei »persönlich enttäuscht«, da er im Rahmen des Gipfels bereits verschiedene Treffen und eine Rede geplant gehabt habe. Er werde aber dennoch Wege finden, bei dem wichtigsten internationalen Treffen der Klimapolitik Präsenz zu zeigen.

Dass Charles' Unmut über den Vorgang überhaupt nach außen gedrungen ist, gilt als erstes Anzeichen für einen neuen, weniger zurückhaltenden Ansatz des Königshauses. In der Vergangenheit war Charles als Thronfolger berüchtigt dafür, die jeweilige Regierung seine Anliegen ungewöhnlich deutlich wissen zu lassen. In seiner ersten Rede als König hatte er aber eingeräumt, von nun an einige seiner Herzensanliegen nicht mehr in der gleichen Art und Weise weiterverfolgen zu können.

Was nicht zwangsläufig bedeuten muss, dass er sich das komplett nehmen lassen wird: Auch Queen Elizabeth II. hatte im vergangenen Jahr eine Videoansprache an die in Glasgow zum Klimagipfel versammelten Regierungschefs gehalten. Charles war damals persönlich vor Ort und rief die Welt in einem eindringlichen Appell auf, mehr gegen die drohende Klimakatastrophe zu tun.

pat/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.