Kofferbombe von Dresden Die unbekannten Bekenner

Die Polizei ermittelt wegen der im Dresdner Hauptbahnhof gefundenen Kofferbombe noch immer ohne heiße Spur. Auch das Bekennerschreiben einer kaukasischen Organisation bringt die Fahnder nicht recht weiter.


Der Sprengstoff auf TNT-Basis, der sich in der Kofferbombe fand
AP

Der Sprengstoff auf TNT-Basis, der sich in der Kofferbombe fand

Dresden - Wie das Landeskriminalamt (LKA) Sachsen in Dresden mitteilte, ging bereits am Freitag beim Axel-Springer-Verlag in Hamburg ein mit niederländischem Poststempel versehenes Selbstbezichtigungs-Schreiben einer bislang unbekannten "Kaukasischen Befreiungsfront Abu Achikoba" ein. Die Gruppe übernahm darin die Verantwortung für den Anschlagsversuch.

Die Polizei wertete den Brief am Sonntag noch nicht als heiße Spur. "Es ist nur ein Hinweis unter vielen, denen wir nachgehen", sagte der Sprecher des LKA Sachsen, Lothar Hofner. "Über diese Organisation ist bislang nichts bekannt, wir können nur mutmaßen." Unter anderem der Tschetschenien-Konflikt hat im Kaukasus in den vergangenen Jahren zur Bildung von Rebellengruppen geführt, die im Frühjahr teilweise in die US-Liste terroristischer Organisationen aufgenommen wurden.

Mit der vor gut zwei Wochen auf dem Dresdner Hauptbahnhof deponierten Kofferbombe war nach Erkenntnissen der Ermittler ein Anschlag geplant. Der Koffer enthielt 1,6 Kilogramm Sprengstoff auf TNT-Basis und einen Schnellkochtopf zur Erhöhung der Splitterwirkung der Bombe. Nach dem Vorfall hatte Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) eine verschärfte Video-Überwachung auf Bahnhöfen veranlasst.

Nach Angaben der "Bild" war das Schreiben in der Leserbriefredaktion eingegangen und von einem Sachbearbeiter direkt an das LKA weitergegeben worden. Auch zu Zeiten der deutschen RAF seien Bekennerschreiben häufig dem Springer-Verlag zugespielt worden, sagte LKA-Sprecher Hofner. Die Beamten schließen nach wie vor weder einen verwirrten Einzeltäter noch eine politisch motivierte Gruppe als Drahtzieher aus.

"Inhaltlich und kriminaltechnisch wird der Brief in Dresden untersucht", sagte Hofner. Das LKA arbeite darüber hinaus mit dem Bundeskriminalamt in Wiesbaden und Interpol zusammen. Das Sendedatum des Briefes werde sich wohl rekonstruieren lassen, sagte er. Über den Umfang des Schreibens wollte Hofner keine Angaben machen.



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