Kollision Flugzeugkatastrophe am Bodensee

Beim Zusammenstoß zweier Flugzeuge über dem nordwestlichen Bodenseeufer sind vermutlich etwa 80 Menschen ums Leben gekommen. In 13 Kilometer Höhe kollidierten ein Passagierflugzeug und eine Frachtmaschine. Die Wrackteile sind in einem Umkreis von 30 Kilometern nahe Überlingen verstreut.

Überlingen - Die beiden Maschinen stießen in der vergangenen Nacht, etwa 20 Minuten vor Mitternacht, im Luftraum über dem Bodensee zusammen. In der vermutlich weißrussischen Tupolew-154 der Bashkirian Airlines aus der Republik Baschkortostan im südlichen Ural befanden sich 69 Passagiere und wahrscheinlich bis zu zwölf Besatzungsmitglieder. Etwa 50 von den Fluggästen sind nach Angaben der russischen Luftfahrtbehörde Kinder und Jugendliche gewesen, die in Spanien ihre Ferien verbringen wollten. In der Fracht-Maschine vom Typ Boeing 757 des Paketdienstes DHL saßen zwei Personen. Das sagte der baden-württembergische Verkehrsminister Ulrich Müller am Dienstagmorgen in Überlingen. "Es ist davon auszugehen, dass keiner der Insassen mehr am Leben ist", sagte er. Elf Tote sind nach Informationen von Einsatzleiter Hans-Peter Walser nahe Überlingen und der Gemeinde Owingen geborgen worden.

Die Tupolew war bisherigen Erkenntnissen zufolge auf dem Flug von Moskau nach Barcelona. Die Frachtmaschine war auf dem Weg von Bahrein über das norditalienische Bergamo nach Brüssel.

Zur Ursache des außerordentlich schweren Flugunfalls sagte Müller, der Kapitän der Tupolew sei nach den bisherigen Erkenntnissen von der zuständigen Schweizer Flugsicherung Skyguide mehrfach zur Kursänderung aufgefordert worden, weil er auf gleicher Höhe flog wie die Frachtmaschine. Diese habe offenbar noch versucht, eine Kollision zu verhindern. Der Flugschreiber der Tupolew sei inzwischen gefunden worden. Wrackteile und Opfer beider Maschinen seien im Umkreis von 35 Kilometern verstreut. Walser appellierte an die Anwohner, keine Flugzeugteile oder Leichen zu berühren.

Am Boden seien keine Todesopfer zu beklagen, sagte Müller. Einige Wrackteile hätten Gebäudeschäden verursacht und Brände ausgelöst, die jedoch gelöscht seien. Ein Augenzeuge hatte berichtet, dass eines der Flugzeugteile in Owingen nahe des Golfplatzes neben ein Wohnhaus gestürzt sei.

Landespolizeipräsident Erwin Hetger sagte, etwa 500 Polizeibeamte seien nach dem Unglück im Einsatz. "Die Suche nach den Opfern läuft auf Hochtouren", betonte er. Jetzt müsse das Tageslicht für weitere Bergungsmaßnahmen abgewartet werden. Ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera habe jedoch angesichts der Dunkelheit wenig ausrichten können. Bei der Identifizierung der Toten werde eine Spezialkommission des Bundeskriminalamtes eingesetzt. Auch der Bodensee werde nach Resten der Maschinen abgesucht.

Augenzeugen hatten gegen Mitternacht plötzlich riesige Feuerbälle am Himmel über dem Bodensee beobachtet. "Es sah aus, als ob der Himmel brennt", berichtete Klaus Barinka, Kapitän auf der Bodenseefähre, die zwischen Konstanz und Meersburg pendelt. Drei brennende Teile seien am Horizont zu Boden gestürzt. "Ich habe gleich gedacht, das kann bloß ein Flugzeug gewesen sein", erzählte er. Zunächst habe er gedacht, jemand an Bord habe aus Versehen den Suchscheinwerfer eingeschaltet.