Konfessionswechsel Ex-Premier Blair ist nun Katholik

Tony Blair ist zum Katholizismus konvertiert. Dass er den Austritt aus der anglikanischen Staatskirche erst nach seiner Amtszeit als Premier vollziehen würde, war stets klar gewesen. Aus dem Vatikan kam Beifall.


London - Der Schritt war lang erwartet und ist nun vollzogen: Der frühere britische Premierminister Tony Blair wurde gestern Abend in London bei einem Gottesdienst in der Kapelle des Erzbischofs von Westminister, Kardinal Cormac Murphy-O'Connor, in die katholische Gemeinschaft aufgenommen, wie die Kirche heute bestätigte. Mit dem Übertritt zum Katholizismus nahm Blair die Religion seiner Ehefrau Cherie an.

Tony Blair mit Papst Benedikt XVI. (Juni 2007): Öffentliche Spekulationen über Konfessionswechsel
DPA

Tony Blair mit Papst Benedikt XVI. (Juni 2007): Öffentliche Spekulationen über Konfessionswechsel

"Ich bin sehr glücklich, Tony Blair in der katholischen Kirche willkommen zu heißen", sagte der Kardinal. "Er hatte schon oft an unseren Gottesdiensten teilgenommen, und in den letzten Monaten hat er ein Programm zur Vorbereitung auf die Aufnahme mitgemacht." Das Oberhaupt der anglikanischen Kirche, Erzbischof Rowan Williams, wünschte Blair alles Gute für den Wechsel "aus einer christlichen Familie in eine andere".

Blair hatte nach seinem Rücktritt als Regierungschef im vergangenen Sommer die Aufgabe eines Sondergesandten des sogenannten Nahost-Quartetts übernommen. In dieser Eigenschaft bemüht er sich um eine Aussöhnung zwischen Palästinensern und Israelis. Eine seiner letzten Amtshandlungen als Premierminister war nach zehn Jahren an der Macht im Juni ein offizieller Besuch bei Papst Benedikt XVI. in Rom.

Am Rande dieser dritten Vatikan-Audienz für Blair innerhalb von vier Jahren war öffentlich über einen Konfessionswechsel spekuliert worden. Blair gilt ebenso wie sein einstiger Verbündeter im Irak- Krieg, US-Präsident George W. Bush, als streng gläubig. Im Gegensatz zu Bush hat sich Blair jedoch in seiner Politik nicht ausdrücklich auf Gott bezogen.

Rund 72 Prozent der Briten sind Christen, wobei die Mehrzahl der anglikanischen Kirche angehört. Sie ist in England auch Staatskirche.

Obwohl es keine verfassungsrechtlichen Hürden für einen Wechsel Blairs zum Katholizismus noch zu seiner Zeit als Regierungschef gegeben hätte, war stets klar, dass er diesen Schritt erst nach seiner Amtszeit vollziehen würde.

Der Vatikan freut sich über den Übertritt Blairs zum Katholizismus. Wenn eine so angesehene Persönlichkeit wie Blair die katholische Kirche wähle, "kann das nur Freude und Respekt hervorrufen", sagte der Direktor des vatikanischen Pressesaales, Federico Lombardi, heute in Rom. Die katholische Kirche teile das vom Erzbischof von Westminster, Kardinal Cormac Murphy-O'Connor, geäußerte "Gefühl der Zufriedenheit", sagte Lombardi nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa.

ffr/dpa



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