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20. November 2002, 08:34 Uhr

Krankenkassen

Millionenbetrug mit billigem Zahnersatz

Die Staatsanwaltschaft Wuppertal hat nach einem Zeitungsbericht einen der größten Betrugsfälle im deutschen Gesundheitswesen aufgedeckt. Der Schaden für Kassen und Patienten soll bei 50 Millionen Euro liegen.

Die Zahnärzte sollen diskret und in bar abkassiert haben
DDP

Die Zahnärzte sollen diskret und in bar abkassiert haben

Hamburg - Bei dem untersuchten Fall gehe es um millionenschweren Betrug bei Zahnersatz zum Nachteil der Krankenkassen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Wuppertal. Die deutsche Firma Globudent/O-Dent-O- Dentalhandelsgesellschaft habe Zahnärzte dazu bewegt, Patienten billigen Zahnersatz aus China in den Mund zu legen, hatte zuvor die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf Unterlagen der Wuppertaler Staatsanwaltschaft berichtet. Den Krankenkassen und Patienten habe die Firma aus Mülheim an der Ruhr dennoch teure deutsche Preise für Brücken, Kronen und Gebisse berechnet. Laut "FTD" liegt der durchschnittliche Rechnungsbetrag für Laborarbeiten in Deutschland bei etwa 900 Euro. Der chinesische Globudent-Partner soll die gleichen Leistungen im Schnitt für 180 Euro abgeliefert haben.

AOK-Experten beziffern den Schaden der Zeitung zufolge auf mindestens 50 Millionen Euro, der Betrug blieb ihren Erkenntnissen zufolge mehr als zehn Jahre unentdeckt.

Die Firma soll die kassierten Erlöse diskret und in bar an die Ärzte geschickt haben. Nach den Worten eines Zahnarztes winkten den Medizinern, die sich auf das Geschäft mit Globudent einließen, zwischen einem Drittel und einem Fünftel der gefälschten Summe als so genannte Rückvergütung. Das Unternehmen habe mit dieser Masche "Jahr für Jahr Millionengewinne" gemacht, sagte Peter Scherler, Leiter der AOK-Task- Force für Abrechnungsbetrug in Niedersachsen, gegenüber der "FTD".

Der Sprecher der Wuppertaler Staatanwaltschaft kündigte für heute mehrere Razzien an. Im Laufe des Vormittags sollen allein in Nordrhein-Westfalen 15 Objekte durchsucht werden. Der Verdacht richte sich zunächst gegen acht Mitarbeiter einer Dentalgesellschaft und ihrer Nebenfirmen. Erste Ergebnisse der Ermittlungen wollen die Staatsanwälte am Mittwochnachmittag auf einer Pressekonferenz vorstellen.

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