Abgeschaltetes Hetzportal Internetseite sieht sich als Erbe von Kreuz.net

Kreuz.net ist offline - im Netz gibt es nun aber seit kurzem eine Seite, die das Erbe des fundamentalistisch-katholischen Hetzportals antreten will. Die Macher wenden sich an frühere Kreuz.net-Unterstützer.
Screenshot von Kreuz-net.info: Autoren von 'kreuz.net' willkommen

Screenshot von Kreuz-net.info: Autoren von 'kreuz.net' willkommen

Wien - Seit Anfang Dezember ist die Internetseite Kreuz.net nicht mehr erreichbar. Angeblich ohne Verbindung zur Amtskirche bot es "katholische Nachrichten" an - mit homophoben, rassistischen, rechtslastigen und antisemitischen Inhalten. Vor allem Dank der Initiative "Stoppt Kreuz.net"  und durch Ermittlungen der Staatsanwaltschaften fühlten sich die Macher offenbar in die Defensive gedrängt.

Nun gibt es eine andere Website, die die alte Botschaft in neuem Gewand weiter verbreitet: Laut der Initiative nimmt Kreuz-net.info für sich in Anspruch, das Erbe von Kreuz.net anzutreten. Auf das neue Portal aufmerksam wurde die Initiative durch einen Hinweis aus dem Umfeld der Person, die im Impressum von Kreuz-net.info angegeben ist. Auf der Seite heißt es: "Autoren und Informationsgeber von 'kreuz.net' sind uns daher herzlich willkommen!" Man habe das Ziel, "eine ähnliche Beitragsqualität wie 'kreuz.net' zu erreichen".

In der Tat sind die Ähnlichkeiten nicht zu übersehen. Die Seiten ähneln sich optisch stark, stilistisch und inhaltlich gibt es kaum Unterschiede, wie schon die erste Meldung deutlich macht. Dort heißt es, der Mainzer Kardinal Karl Lehmann habe sich bei "Kampfschwulen" für den Einsatz gegen Kreuz.net bedankt. Lehmann hatte allen gedankt, "die zur Klärung beigetragen haben, auch wenn sie nicht Freunde der Kirche sind". In einer anderen Meldung wird die renommierte österreichische Tageszeitung "Standard" als "jüdisch" und "antikatholisch" beschrieben.

Dennoch gibt es laut "Stoppt Kreuz.net" auch Neuerungen: Anders als noch bei Kreuz.net hat Kreuz-net.info den Server in Deutschland und ein Impressum, in der eine Person aus Wien als "Medieninhaber, Herausgeber, Redaktion" angegeben ist. "Damit geht anonyme Denunziation und Verleumdung wie bei Kreuz.net nicht mehr", sagt David Berger, Koordinator von "Stoppt Kreuz.net". "Das kann sich keine Seite mit Verantwortlichem leisten."

Bislang gibt es bei Kreuz-net.info zudem keine Kommentarfunktion. "Kommentare waren für Kreuz.net ein wichtiges PR-Instrument, weil Beiträge dadurch im Google-Ranking hochrutschten", sagt Berger. Manche Beiträge hätten bis zu 3000 Kommentare gehabt. Auch weil dieses Instrument auf der neuen Seite fehlt, geht er nicht davon aus, dass sie ähnliche Stärke wie Kreuz.net erreichen wird.

"Wir vermuten, dass der Betreiber ein Trittbrettfahrer ist", sagt Berger. Kreuz.net habe in reaktionären Kreisen nach der Abschaltung viel Sympathie erfahren. "Jetzt wird versucht, auf dieser Sympathiewelle zu reiten und das Erbe anzutreten." Berger sieht darin allerdings weniger ein ähnlich wirkungsmächtiges Portal - sondern eher einen "Reliquien-Kult um die Kreuz.net-Trümmer".

ulz
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