Kreuzberg Latino-Rhythmen im Zeichen des Balls

Die Teilnehmer reisten zum Teil sogar aus der Karibik zu dem multikulturellen Spektakel an. Und fast eine Million Besucher lockte der Karneval der Kulturen trotz des kühlen Wetters auf die Straße. Um ein Thema kam man freilich auch in Kreuzberg nicht herum.


Berlin - Trotz kühler Temperaturen haben Hunderttausende Menschen heute beim Karneval der Kulturen in Berlin zu heißen Rhythmen getanzt. Rund 800.000 Besucher verfolgten am Nachmittag begeistert den farbenprächtigen Umzug auf der rund dreieinhalb Kilometer langen Strecke. In einer neunstündigen Parade wollten 4350 Akteure aus 70 Nationen in fast 100 Formationen bis zum Abend durch den Berliner Stadtteil Kreuzberg ziehen. Die Karawane mit Wagen und Fußvolk startete am Mittag und wurde auch in ihrem elften Jahr von der multi-ethnischen, in den Farben Weiß und Gelb gekleideten Gruppe Afoxé Loni angeführt.

Die Teilnehmer des Umzugs erfreuten das klatschende und feiernde Publikum mit bunten Kostümen, viel lateinamerikanischer Musik, Trommelrhythmen und exotischen Tanzeinlagen. Bei der Wahl der Verkleidungen wurde auch auf die bevorstehende Fußball-Weltmeisterschaft Bezug genommen. So trug die Gruppe Sapucaiu no Samba Kappen in Fußballform und Trikots mit Nummern. Andere Tänzer und Musiker waren in den Farben ihrer WM-Teams gekleidet.

Zu den Gästen gehörte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). An den bunt gemischten Gruppen beim Umzug könne man sehen, dass Integration tagtäglich und mit Erfolg stattfinde, sagte er. Wowereit und die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), waren Schirmherren der Veranstaltung. Böhmer betonte, dass Menschen verschiedener Herkunft aufeinander zugingen und miteinander lebten, sei eine wichtige Voraussetzung für Integration.

Der Geschäftsführer der Werkstatt der Kulturen, Andreas Freudenberg, forderte ein klares Bekenntnis der Stadt Berlin zum Karneval der Kulturen. Die Veranstaltung sei eine internationale Marke geworden. Berlin müsse mehr finanzielles Engagement für die künstlerische Arbeit der teilnehmenden Gruppen zeigen.

25 Gruppen waren nach Angaben der Werkstatt der Kulturen der Welt in diesem Jahr zum ersten Mal dabei, darunter die Musiker von Marrakesch Alegría, die auf traditionellen nordafrikanischen Instrumenten spielen. 14 Gruppen stammen nicht aus Berlin, sondern kamen eigens zum Karneval in die Stadt. Die weiteste Anreise hatte die Gruppe "A Real Tobago Legend" aus der Karibik.

Der bunte Straßenumzug gilt als Höhepunkt des insgesamt viertägigen Multikulti-Events. Schon gestern war der karnevalistische Nachwuchs unter dem Motto "Flieg mit dem Kranich" vom Mariannenplatz zum Görlitzer Park gezogen. Dort erwartete die Kinder ein Fest mit Musik, Sport und Spielen. Bis morgen wird rund um den Blücherplatz ein Straßenfest veranstaltet. Dort sind vier Bühnen aufgebaut, auf denen rund 900 Künstler aus aller Welt auftreten. An etwa 380 Ständen können Besucher kulinarische und kunsthandwerkliche Besonderheiten diverser Kulturen kennen lernen.

Nicolas Sustr und Claudia Stäuble, ddp



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