Getürmter Kriegsveteran zurück im Altersheim "Ich bin sehr froh, es getan zu haben"

Um seinen gefallenen Kameraden die Ehre zu erweisen, büxte der britische Kriegsveteran Bernhard Jordan aus dem Altersheim aus und reiste in die Normandie. Jetzt ist er wieder zurück in Südengland - und bereut seine Flucht nicht ein bisschen.

DPA

London - Bernard Jordan hatte sich in den Kopf gesetzt, seinen Kameraden, die bei der Invasion in der Normandie ums Leben kamen, persönlich Respekt zollen. Als der 89-Jährige keinen Platz mehr für die Feierlichkeiten an den D-Day-Stränden bekam, büxte der Kriegsveteran kurzerhand aus seinem Altersheim im südenglischen Hove aus - und sorgte damit nicht nur bei seinen Pflegern für Aufregung.

Die europäische Presse berichtete, kurzzeitig habe ihn sogar die Polizei gesucht. Mittlerweile sitzt der 89-Jährige wieder in seinem Sessel in der Einrichtung "The Pines". Ein wenig müde, wie eine Pflegerin dem "Observer" sagte. Aber offenbar in der Lage, sein Abenteuer zu erzählen.

"Ich kann sehr verschwiegen sein, wenn ich etwas unbedingt will", sagte der frühere Marineoffizier der "Mail on Sunday". So seien sie eben, die alten Krieger. Aber er würde es jederzeit wieder tun. Denn für ihn habe es "die Welt bedeutet", bei den Feiern zum 70. Jahrestag der Landung der Alliierten am 6. Juni dabei zu sein.

Das Heim hatte sich nach eigenen Angaben bemüht, noch fristgerecht einen Platz für Jordan auf einem der offiziellen Veteranen-Busse zu buchen - ohne Erfolg. Der Brite hatte daraufhin am Donnerstagmorgen nach dem Frühstück seine Auszeichnungen gesammelt, sie ans Revers geheftet, einen Regenmantel übergeworfen und erklärt, er wolle sich zu seinem täglichen Spaziergang aufmachen.

Tatsächlich aber fuhr ihn ein Bekannter, den er zufällig unterwegs traf, ins nahe gelegene Brighton. Von dort nahm er den Zug nach Portsmouth und legte mit der Fähre nach Caen ab.

Die Stimmung auf dem Schiff sei großartig gewesen, sagte Jordan der "Mail." Er habe alte Kameraden getroffen und neue Freundschaften geschlossen. Unter anderem ließ er sich mit jungen Tänzerinnen fotografieren. Am Ende versprach die Fährgesellschaft dem "Ehren-Veteranen" jederzeit freie Überfahrt - bis an sein Lebensende. "Er ist ein wunderbarer Typ. Wir können auf diese Weise etwas davon zurückgeben, was er für uns getan hat", sagte ein Sprecher des Managements.

Ehefrau Irene nimmt's gelassen

Rund acht Stunden später war Jordan am Strand von Ouistreham, dem Zentrum der internationalen Feierlichkeiten. Unweit von dort war er 1944 als Teilnehmer der "Operation Overlord" gelandet. Er schaute sich dem Blatt zufolge das Museum Le Grand Bunker an. Später genoss er in einem Strandcafé ein Bier und beobachtete aus der Ferne die Gedenkveranstaltung mit US-Präsident Barack Obama und der Queen.

Am Samstagabend kehrte Jordan zurück nach Hove. "Ich hatte eine tolle Zeit und bin richtig froh, dass ich die Reise gemacht habe", sagte er. Allerdings hätte er sich niemals träumen lassen, dass seine Geheimexpedition einen "solch großen Wirbel" auslösen würde.

Die wohl wichtigste Person in seinem Leben hatte die Nachricht offenbar am entspanntesten aufgenommen. Seine Frau Irene, ebenfalls Heimbewohnerin, zeigte sich "besorgt, aber keineswegs überrascht" über das Abenteuer ihres Ehemanns.

Er lege nun die Füße hoch, so eine Pflegerin. In Kürze stehe noch ein weiterer Programmpunkt auf dem Plan: Bernard Jordan wird in dieser Woche 90 Jahre alt.

gam/dpa/AFP

insgesamt 54 Beiträge
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hobbyleser 09.06.2014
1. Hoffnung.
Ich hoffe, ich werde in dem alter noch so agil und unabhängig sein. Ich ziehe meinen Hut!
dutchinnz 09.06.2014
2. Es ist doch wohl das allerletzte...
wie sich viele anmaßen, daß sie alte Leute herumkommandieren können wie Kleinkinder.
micromiller 09.06.2014
3. eine wirklich nette story
vielleicht hat der wirklich sympathische mann auf diese weise mehr von der reise gehabt. seine kameraden im jenseits haben in sicher schützend begleitet.
calü 09.06.2014
4. Happy birthday
und noch viele gesunde Jahre.
Spiegelleserin57 09.06.2014
5. ausbüxen??
klingt so was wäre dieses Heim ein Gefängnis!
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