Krisenmanagement Geschasster Fema-Chef schlägt zurück

Vier Wochen nach Hurrikan "Katrina" hat sich der inzwischen zurückgetretene Chef der US-Behörde für Katastrophenmanagement, Michael Brown, heftig gegen die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zur Wehr gesetzt. Nicht er, sondern der Staat Louisiana trage die Hauptschuld am gescheiterten Krisenmanagement.


Washington - Differenzen zwischen der Gouverneurin Kathleen Blanco und dem Bürgermeister von New Orleans, Ray Nagin, hätten die Koordinierung der Hilfsmaßnahmen behindert, schimpfte Brown gestern vor einem Kongressausschuss. Brown war wegen der Versäumnisse nach dem Hurrikan unter schweren Beschuss geraten, von seiner Arbeit vor Ort abgezogen worden und schließlich als Konsequenz abgetreten.

Fema-Chef Brown (r.) mit Präsident Bush: Tage vor Katrina gewarnt
DPA

Fema-Chef Brown (r.) mit Präsident Bush: Tage vor Katrina gewarnt

Er habe schon mehr als 150 nationale Katastrophen überwacht und wisse, wie man damit umgehen müsse. Sein größter Fehler sei jedoch gewesen, dass er nicht rechtzeitig erkannt habe, "dass Louisiana funktionsgestört war", sagte Brown in der Anhörung. "Ich bedauere es persönlich sehr, dass ich es nicht geschafft habe, Blanco und Nagin dazu zu überreden, sich hinzusetzen, ihre Differenzen zu überbrücken und zusammenzuarbeiten."

Brown wies weiter darauf hin, dass es nicht Aufgabe der Fema sei, selbst auf Katastrophen zu antworten, sondern vielmehr die Antworten zu koordinieren. "Wir verfügen über keine eigenen Feuerwehrautos, über Krankenwagen oder Ausrüstung zur Rettung und Bergung", sagte der Ex-Fema-Chef.

Brown betonte, er habe US-Präsident George W. Bush sowie den Stabschef des Weißen Hauses, Andy Card, und dessen Stellvertreter Joe Hagin einige Tage vor dem Auftreffen von "Katrina" an Land per Telefon und per E-Mail davor gewarnt, dass hier ein sehr schwerer Sturm heranziehe. Dass darauf keine Reaktion erfolgt sei, sei nicht seine Schuld. Ferner beklagte er sich darüber, dass das Heimatschutzministerium als Aufsichtsbehörde der Fema ihm keine bessere Ausrüstung geliefert habe.

Die Anhörung kam auf Initiative der Republikaner zustande. Obwohl es sich um Browns Parteifreunde handelt, gab es zum Teil hitzige Wortgefechte. Die meisten Demokraten hatten das Hearing als "Schauveranstaltung" boykottiert. Mehrere Mitglieder des parlamentarischen Untersuchungsausschusses warfen Brown vor, er versuche die Schuld auf andere abzuwälzen, ohne eigene Fehler einzugestehen. "Ich bin froh, dass Sie nicht mehr im Amt sind", sagte der republikanische Kongressabgeordnete Christopher Shays.

In die Kritik geriet laut "Washington Post" jetzt auch ein Deal, den die Fema unmittelbar nach der Katastrophe mit dem Unternehmen Carnival Cruise Lines geschlossen hat. 236 Millionen Dollar erhielt die Firma dafür, dass sie drei Kreuzfahrtschiffe im Golf von Mexiko für Hurrikanflüchtlinge zur Verfügung stellte. Jetzt ankern die Schiffe, nur zur Hälfte ausgelastet im Mississippi und der Mobile Bay. Politiker sowohl der Demokraten als auch der Republikaner halten den in dem über sechs Monate laufenden Vertrag ausgehandelten Preis für exorbitant. Selbst wenn die Schiffe voll wären, so rechnen die Kritiker vor, läge der Preis pro Flüchtling und Woche bei 1275 Dollar.

Polizeichef von New Orleans tritt zurück

Auch der Polizeichef von New Orleans, Eddie Compass, trat jetzt zurück. In jüngster Zeit war vermehrt Kritik an der Polizei wegen ihrer Reaktion auf den Hurrikan laut geworden. Weder Compass noch Bürgermeister Nagin wollten sich jedoch dazu äußern, ob der Polizeichef zum Rücktritt gedrängt worden sei. Er habe die Polizei durch eine ihrer schwersten Zeiten geführt, jetzt sei es aber an der Zeit, andere Wege zu gehen.

Compass hatte zuvor erklärt, 249 Polizisten könnten vor ein Sondertribunal gestellt werden, weil sie während des Hurrikans "Katrina" und kurz danach ihre Einsatzstellen ohne Erlaubnis verlassen hätten. Auch die Polizeigewerkschaft sprach sich dafür aus, dass diejenigen, "die aus Feigheit desertiert" seien, ihren Job verlieren sollten. Man müsse die Anschuldigungen sowie die Zuständigkeiten jedoch genau überprüfen.



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