Krisenregionen Blauhelme sollen Kinder missbraucht haben

Sie kommen, um zu helfen und den brüchigen Frieden zu sichern: Doch offenbar bringen Soldaten internationaler Einsatztruppen nicht selten auch neuen Schrecken mit in die Krisengebiete. Manche Helfer vergingen sich an Kindern, behauptet eine britische Wohlfahrtsorganisation.


Hamburg - "Save the children" heißt der renommierte Verein, der diese Aufsehen erregenden Vorwürfe nach Recherchen in der Elfenbeinküste, im Südsudan und Haiti veröffentlicht hat. Der britische Verband der Organisation untersuchte dort nach eigenen Angaben die Schicksale hunderter betroffener Kinder.

Vergewaltigungsopfer Elizabeth, 13: "Ich konnte nichts machen"
REUTERS

Vergewaltigungsopfer Elizabeth, 13: "Ich konnte nichts machen"

Viele der Kleinen, die Jüngsten gerade einmal sechs Jahre alt, gaben laut Save the children UK erst in vorsichtigen Befragungen an, von Blauhelm-Soldaten und Mitarbeitern internationaler Hilfsorganisationen missbraucht worden zu sein.

Sex gegen Nahrungsmittel, Vergewaltigung, Kinderprostitution und -pornografie sowie Handel mit Kindern seien vorgekommen. Aus Angst vor ihren Peinigern und der Ächtung durch die eigenen Familien hätten die minderjährigen Opfer lange Zeit ihr Leid für sich behalten.

"Die Leute sagen nichts, weil sie Angst haben, die Organisation könnte ihre Arbeit vor Ort einstellen. Aber wir brauchen sie doch", bekannte ein Jugendlicher im Südsudan laut Save the children UK. "Die Untersuchung zeigt die verabscheuungswürdigen Handlungen einer kleinen Gruppe von Tätern, die einige der verletzlichsten Kinder der Welt missbrauchen", teilte Jasmine Whitbread von Save the children UK mit.

Eine 13-Jährige, die Elizabeth heißen soll und von der Elfenbeinküste stammt, schilderte der BBC, wie ein Trupp Uno-Blauhelm-Soldaten sie in einem Feld in der Nähe ihres Zuhauses erst vergewaltigt und dann blutend zurückgelassen hätte. "Ich versuchte, ihnen zu entkommen, aber sie waren zu zehnt und ich konnte nichts machen", sagte das Mädchen. Gegen die Täter sei nie vorgegangen worden.

Save the children empfiehlt daher die Schaffung einer international operierenden Regulierungsbehörde, die den Einsatz der Soldaten und Helfer überwachen soll. Außerdem sollen die Meldemechanismen in den jeweiligen Ländern verbessert werden.

Laut BBC begrüßt die Uno den kritischen Bericht und will ihn intensiv studieren. Ein Sprecher der Vereinten Nationen sagte jedoch dem Sender, es sei unmöglich bei 200.000 Mitarbeitern "null Vorkommnisse" zu garantieren.

Das weiß auch Kinderschützerin Whitbread: "Alle Organisationen in Krisenregionen, unsere eingeschlossen, müssen sich der Tatsache bewusst sein, dass sie dieses Problem betreffen kann - und es deswegen direkt in Angriff nehmen."

Laut BBC hat Save the children inzwischen drei Mitarbeiter entlassen, weil sie gegen Verhaltensmaßregeln der Organisation verstoßen haben. Dem Sender zufolge hatten die Männer Sex mit Teenagern. Die jungen Frauen seien erst 17 Jahre alt gewesen.

jdl



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