Kritik an "Dignitas"-Sterbehilfe "Menschenverachtende Praktik"

Qualvoller Tod durch Helium: Die Deutsche Hospiz Stiftung greift Dignitas scharf an. Zuvor war die Schweizer Sterbehilfeorganisation wegen einer umstrittenen Tötungsmethode in die Schlagzeilen geraten.


Dortmund - "Es ist monströs, Menschen für viel Geld einen Plastiksack überstülpen zu lassen, den man für zehn Cent im Supermarkt kaufen kann, und sie so ersticken zu lassen", empört sich Eugen Brysch, Vorstandsmitglied der Deutschen Hospiz Stiftung.

Einen Tag zuvor hatte in der Schweiz der leitende Oberstaatsanwalt Andreas Brunner im Radiosender DRS gesagt, dass die Sterbehilfeorganisation Dignitas in der Schweiz die ärztliche Kontrolle umgehe, indem sie Sterbewilligen mit dem Luftballongas Helium zum Tod verhelfe.

Laut Bericht stülpen sich die Dignitas-Klienten einen mit dem Edelgas gefüllten Plastiksack über den Kopf und ersticken. Brysch beschrieb die umstrittene Methode, bei der sich die Sterbenden meist mehrere Minuten lang quälen als "menschenverachtende Praktik". Zugleich forderte Byrsch, die "geschäftsmäßige Vermittlung von assistiertem Suizid" müsse in Deutschland verboten werden.

Dignitas hatte im vergangenen November Aufsehen erregt, als bekannt geworden war, dass die Organisation zwei Deutschen auf einem Parkplatz bei Zürich zum Tod verholfen hatte. Der Schweizer Verein hatte 2005 in Hannover eine deutsche Organisation gegründet und damit bundesweit Proteste ausgelöst. Laut Dignitas haben sich 2006 rund 200 Sterbewillige an die Organisation gewandt, davon 120 aus Deutschland.

Die Deutsche Hospiz Stiftung engagiert sich für den Schutz von Schwerstkranken und Sterbenden. Sie finanziert sich nach eigenen Angaben aus Spenden und Beiträgen von rund 55.000 Mitgliedern und Förderern.

dek/dpa



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