Kritik an Dschungelshow RTL wehrt sich gegen Foltervorwurf

Die Kritiker sehen den Untergang des Abendlandes kommen, seit allabendlich B-Promis im australischen Dschungel gequält werden. Ein Medienwissenschaftler spricht gar von "Foltermethoden". Doch jetzt wehrt sich RTL gegen die Vorwürfe - und verweist darauf, dass die Stars sehr gut wussten, was ihnen im Urwald blüht.

Frankfurt am Main - Der 18-jährige Daniel Küblböck hatte in der Sendung von gestern Abend bei seiner Mutprobe eine Angstattacke erlitten. Um für das Team die Essenration zu erspielen, musste er seinen Kopf in einen Glasbehälter stecken, Luft holen sollte er über einen Schnorchel. Dann wurde das "Terror-Aquarium" mit Wasser geflutet - auch "einige Überraschungen", so hatte es "Hol mich hier raus - Ich bin ein Star"-Moderator Dirk Bach angekündigt, wurden in das Gefäß gespült. Die "Überraschung" waren zunächst Goldfische, dann eine Wasserspinne. In Panik riss der Sänger den Kopf aus dem Glascontainer, heulte Rotz und Wasser und rannte in den Urwald. Nach RTL-Angaben verfolgten gestern Nacht 5,48 Millionen Zuschauer die Show (Marktanteil: 37,7 Prozent).

Inzwischen hat sich die zuständige Niedersächsische Landesmedienanstalt in Hannover entschlossen, die Sendung zum Thema zu machen. Das Format verletze möglicherweise Persönlichkeitsrechte und die Menschenwürde, sagte Uta Spies, Pressesprecherin heute in Hannover. Am Mittwoch werde sich die Niedersächsische Landesmedienanstalt mit dem Format beschäftigen. Im Februar solle es bei der bundesweiten Gemeinsamen Stelle für Programm und Werbung thematisiert werden. Dann entscheiden die Medienwächter, ob die Sendung zu beanstanden ist.

Allerdings schätzt die Pressefrau die Chancen auf eine offizielle Beanstandung der Sendung als relativ gering ein. "Wir haben durch 'Big Brother' gelernt, dass Menschenwürde und Persönlichkeitsrechte im Fernsehen schwer zu verletzen sind", sagte sie. Zudem handele es sich bei den Kandidaten der RTL-Dschungelshow nicht um Normalbürger, die besonderen Schutz genießen, sondern um Menschen, die auch sonst in der Öffentlichkeit stünden und wüssten, wie man mit Medien umgehe.

Sollte es nach der Abstimmung auf Bundesebene dennoch zu einer Beanstandung kommen, die eine weitere Ausstrahlung des Formats in der jetzigen Form verbieten oder ein Bußgeld ermöglichen würde, könnte der Sender RTL gegen die Entscheidung vorgehen. Eine gerichtliche Auseinandersetzung sei erfahrungsgemäß aber "sehr langwierig", sagte Spies. Selbst bei einer Beanstandung wären die aktuellen Folgen in keinem Fall betroffen.

Dementsprechend gelassen sieht RTL einer möglichen Beanstandung entgegen: "Wir schauen uns eine Überprüfung gelassen an - zumal alle beteiligten Stars vorab über die Art der Show informiert waren", sagt RTL-Pressesprecher Christoph Körfer.

Alle Promis haben demnach eine Staffel der englischen Ausgabe der Sendung gesehen - RTL hat das Format aus Großbritannien adaptiert. "Wir haben ihnen Videos geschickt, auf denen ähnliche oder vergleichbare Prüfungen zu sehen waren, bevor irgendwelche Verträge unterschrieben wurden", so Körfer.

Dass man die Sendung beim Europäischen Medieninstitut in Düsseldorf mit Entsetzen betrachtet, bringt Körfer ebenfalls nicht aus der Ruhe. Der Generaldirektor, Jo Groebel, hatte gesagt, das die Dschungelprüfungen, die Daniel Küblböck durchleiden musste, "an Foltermethoden erinnern". Küblböck habe bei der Wasseraufgabe "Todesangst" im Gesicht gestanden. So könne man nicht mit Menschen umgehen, sagte Groebel. Dass die Stars im Fall, dass die Prüfung verweigert würde, nichts zu essen bekämen, bezeichnete er als erpresserische Methode: "Das ist von der Konstruktion schon ziemlich perfide." Der Medienwissenschaftler sagte, er sei "baff, dass RTL, ein Sender, der sich ein gutes Image aufgebaut hat, so etwas macht".

Körfer kritisierte seinerseits Groebel für dessen Vergleich: "Folter ist ein derart schreckliches Verbrechen, dass man es nicht durch einen Vergleich mit Mutproben im Dschungel banalisieren sollte." Die Zuschauer liebten die Sendung - nach Körfers Meinung übrigens nicht nur aus reiner Sensationsgier. Mit Blick auf die luxusfernen Promis glaubt der RTL-Pressemann auch, dass die "Wahrhaftigkeit" des Formats an der guten Quote beteiligt sei.

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