Krönung in Kambodscha 51-jähriger Ballett-Tänzer wird König

Die Zeremonie war prunkvoll, die Hauptperson jedoch bescheiden: Der neue König von Kambodscha, Norodom Sihamoni, verzichtete bei seiner Krönung darauf, die traditionellen Insignien der Macht zu präsentieren. Als erste Amtshandlung ließ der ehemalige Ballett-Tänzer Dutzende Gefangene frei.


Neuer König Norodom Sihamoni: In prunkvoller Zeremonie gekrönt
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Neuer König Norodom Sihamoni: In prunkvoller Zeremonie gekrönt

Phnom Penh - Der 51 Jahre alte Norodom Sihamoni folgte heute seinem Vater König Norodom Sihanuk auf den Thron. Sihanuk hatte vor drei Wochen aus gesundheitlichen Gründen abgedankt. Als Zeichen der Menschlichkeit gewährte der neue König 88 Strafgefangenen Amnestie. Seinen rund zwölf Millionen Untertanen versprach er, den Armen helfen sowie Frieden und Wohlstand in dem südostasiatischen Land fördern zu wollen.

Während der mehrstündigen Zeremonie mit buddhistischen und hinduistischen Elementen legte der ganz in weiß gekleidete Junggeselle im Königspalast der Hauptstadt Phnom Penh seinen Eid als König ab. "Ich werde der Verfassung und den Gesetzen folgen. Ich bin entschlossen, die Interessen des Staates und des Volkes zu vertreten", rief Sihamoni drei Mal aus. Damit nahm er dem Brauch folgend die Königswürde im Beisein von rund 300 Würdenträgern offiziell an.

Nach Ansicht von Beobachtern war das neue Staatsoberhaupt deutlich auf Bescheidenheit bedacht. Er legte die Krone und das Schwert als Insignien der Macht neben sich, statt sie zu tragen - ein Bruch mit der Tradition. Außerdem verzichtete Sihamoni auf den schweren goldenen Brokat, den Könige bei früheren Krönungen trugen. Kurz vor der Thronbesteigung hatte er sich von buddhistischen Mönchen segnen lassen und allein ein Gebet gesprochen.

"Ich danke den politischen Führern dieses Landes, den Führern des Buddhismus, des Islam und anderer Religionen, die mir vertrauen und mir erlauben, dem Land in religiösen, bildungspolitischen, sozialen und humanitären Dingen zu dienen", sagte der neue König.

Norodom Sihamoni lebte in den vergangenen 20 Jahren in Paris und war unter anderem als Botschafter der Uno-Kulturorganisation Unesco tätig. Der Prinz verließ seine Heimat schon als Kind. Er wuchs in Prag auf und verbrachte den Großteil seines Lebens im Ausland. Er gilt als scheu, seinen Landsleuten ist er bislang eher unbekannt.

In Prag beschäftigte sich der neue König seit 1967 jahrelang mit dem klassischen Tanz, den er in Paris als Professor lehrte. Sihamoni schrieb Konzepte für künstlerisch ausgerichtete Schulen in Kambodscha und widmete sich in Nordkorea der Filmtechnik.

Sein Vater Norodom Sihanuk, 81, hat in der Vergangenheit mehrmals angedeutet, dass er sich zu alt und zu krank fühle, um Staatsoberhaupt zu bleiben. Er war in den vergangenen Monaten zur medizinischen Behandlung in Peking. Der Monarch hat bereits eine Krebserkrankung hinter sich und leidet seit langem an Diabetes und Bluthochdruck. Sihamoni war der einzige Kandidat für seine Nachfolge.



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