Kuba Mindestens 22 Tote bei Explosion eines Luxushotels in Havanna

Nach der Explosion in einem historischen Hotel in Kubas Hauptstadt Havanna steigt die Zahl der Toten und Verletzten. Ursache sei ein Unglück, kein Anschlag, versichert die Regierung.
Fotostrecke

Havanna: Gas-Explosion zerstört das "Saratoga"

Foto: Ramon Espinosa / dpa

Fünf Sterne und eine fast hundertjährige Vergangenheit sind möglicherweise Geschichte: Das Saratoga, eines der prächtigsten Hotels der kubanischen Hauptstadt Havanna, wurde am späten Freitagmorgen kubanischer Zeit (Freitagnachmittag in Europa) weitgehend zerstört. Inzwischen zeichnet sich ab, dass das Unglück deutlich mehr Opfer forderte als zunächst gedacht. Mindestens 22 Menschen sind aktuellen Zählungen zufolge dabei ums Leben gekommen, nach Angaben der kubanischen Regierung wurden zudem mindestens 64 teils schwer verletzt. Mindestens elf Menschen schwebten nach Krankenhausangaben noch immer in Lebensgefahr. Die Opferzahl könnte zudem noch steigen, denn noch suchen Rettungskräfte in den Trümmern nach Verschütteten.

Wie viele Personen genau sich zum Zeitpunkt des Unglücks in dem Gebäude aufhielten, ist nicht ganz klar. Das Haus wurde renoviert und war nicht im regulären Betrieb. Die Behörden gehen davon aus, dass die Unglücksursache ein Gasleck war. Laut dem staatlichen Unternehmen Gaviota, dem das Hotel gehört, ereignete sich die Explosion, als ein Gastank in dem Hotel aufgefüllt wurde. Ein Regierungssprecher versicherte am Freitagabend, es sei jedenfalls kein Bombenanschlag gewesen, sondern ein »bedauerliches Unglück«.

Bei der Explosion wurden die ersten vier Etagen des Fünfsternehotels Saratoga im Zentrum von Havanna schwer beschädigt. Der Dom einer nahe gelegenen Kirche stürzte ein, in der Nähe parkende Autos wurden zerstört. Aktuelle Bilder vom Unglücksort zeigen eine vorn aufgerissene Hausfassade, das Ausmaß der Zerstörung scheint erheblich. Zum Zeitpunkt des Unglücks hielten sich zahlreiche Angestellte in dem Hotel auf, um die Wiedereröffnung am kommenden Dienstag nach einer umfassenden Renovierung vorzubereiten. Unter den Opfern sollen sich auch eine Schwangere und ein Kind befinden.

Noch gibt es Hoffnung darauf, Überlebende zu finden. Nach Angaben der Rettungskräfte hatten diese Sprechkontakt mit einer unter den Trümmern eingeschlossenen Frau, weitere Überlebende wurden unter den Schuttmassen vermutet. Spürhunde wurden eingesetzt. Ausländer waren nach Behördenangaben offenbar nicht unter den Opfern.

Das Hotel Saratoga war seit zwei Jahren wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. 1880 als Kaufhaus errichtet, war das Gebäude 1933 in ein Hotel umgewandelt worden und wurde zuletzt 2005 renoviert. Gäste schätzten nicht nur das stilvolle, in Art déco gehaltene Ambiente, sondern auch die Dachterrasse des mitten in Havannas Altstadt gelegenen Hauses: Von der Bar oder vom Dach-Swimmingpool aus bot sie Ausblicke auf das direkt gegenüberliegende Regierungsviertel mit dem Capitol, auf die Oper, zahlreiche weitere berühmte Gebäude sowie das Meer. In der Vergangenheit zählte das Saratoga Prominente wie Rolling-Stones-Sänger Mick Jagger und die Popstars Beyoncé, Rihanna und Madonna zu seinen Gästen.

AFP/pat