"Kursk" Das Wrack ist gehoben

Mehr als ein Jahr nach dem Untergang des russischen Atom-U-Boots haben Spezialunternehmen das Wrack gehoben. Gegen 17 Uhr MESZ wurde die "Kursk" unter dem Dockschiff "Ginat-4" festgemacht.


Spezialisten am Werk: Die "Kursk"-Bergungsschiffe "Mayo" und "Giant-4" kurz vor der Hebung
DPA

Spezialisten am Werk: Die "Kursk"-Bergungsschiffe "Mayo" und "Giant-4" kurz vor der Hebung

Moskau - Die Hebung des gesunkenen russischen Atom-U-Bootes "Kursk" wurde am Montagabend erfolgreich beendet. Das teilte die Bergungsfirma Mammoet in Murmansk nach Angaben der Agentur Interfax mit. Insgesamt dauerte die Hebung des Bootes aus 108 Metern Tiefe in der Barentssee etwa 19 Stunden.

Spezialwinden an Bord des Dockschiffs "Giant-4" zogen das havarierte U-Boot bereits bis zum Montagmorgen die ersten 20 Meter in die Höhe. Exakt um 1.55 Uhr MESZ hatte sich die "Kursk" mit Heck und Bug vom Schlamm auf dem Meeresgrund gelöst. "Das Wrack lag nicht so tief im Schlamm wie gedacht", sagte die Sprecherin der niederländischen Bergungsunternehmens Mammoet, Larissa van Seumeren, "es ließ sich leicht hochziehen".

Nach vorläufigen Angaben trat keine radioaktive Strahlung aus, meldete die Agentur Itar-Tass. Die Arbeiten mussten immer wieder planmäßig für Sicherheitsüberprüfungen unterbrochen werden. Taucher untersuchten das Wrack und die montierten Stahlwinden.

Ein Computerbild zeigt den Hebevorgang
AP

Ein Computerbild zeigt den Hebevorgang

Zuvor hatten die Bergungsexperten von Mammoet und Smit International nach letzten Tests grünes Licht gegeben. Die Hebungsoperation bis knapp unter die Wasseroberfläche soll insgesamt acht bis zwölf Stunden dauern. Pro Stunde ist eine Anhebung um durchschnittlich zehn Meter geplant. An der Unglücksstelle ist die Barentssee 108 Meter tief.

Unter Wasser betrug die Zugkraft des Wracks insgesamt 8660 Tonnen. Das ursprüngliche Gewicht des modernsten U-Boots der russischen Nordflotte war mit 18.000 Tonnen angegeben worden. Vor der Hebung musste die Bugkammer abgesägt worden. Deren hochexplosive Munitionsreste hätten die Operation gefährdet. Nachdem heftige Unwetter in den Vorwochen mehrfach die Taucharbeiten am Wrack unterbrochen hatten, sei nun das Wetter optimal, hieß es.

Spezialisten inspizieren ein Wrackteil der "Kursk" (Archivbild)
REUTERS

Spezialisten inspizieren ein Wrackteil der "Kursk" (Archivbild)

Mehr als drei Monate hatten Taucher das durch zwei Explosionen an Bord erheblich zerstörte U-Boot auf die Hebung vorbereitet. In langwieriger Arbeit mussten 26 Löcher für die Stahlwinden in den Rumpf gefräst werden.

Gelingt das Heben bis knapp unter die Wasseroberfläche, wird das Wrack in den kommenden Tagen behutsam in das knapp 180 Kilometer entfernte geheime Marinedock Rosljakowo bei Murmansk bugsiert. Dort sollen die noch im Inneren verbliebenen Leichen der Seeleute geborgen und die Unglücksursache untersucht werden. Spezialisten werden das Wrack später in einer Werft bei Murmansk zersägen und die beiden Atomreaktoren entsorgen.

Russische Marine-Offiziere bei der Trauerfeier im November 2000
REUTERS

Russische Marine-Offiziere bei der Trauerfeier im November 2000

Die "Kursk" war im August 2000 mit 118 Mann an Bord auf Grund gesunken. Niemand überlebte die Katastrophe. In den Folgemonaten waren zwölf Leichen aus dem Heck des Bootes geborgen worden. Ein defekter Torpedoantrieb soll nach Ansicht russischer Experten die Katastrophe verursacht haben. Zuvor hatte es Gerüchte über einen Zusammenstoß oder einen explodierten Torpedo als mögliche Ursache gegeben.



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