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17. Februar 2003, 16:22 Uhr

Lafontaines Weisheiten

Warum Bush Saddam lieben soll

Oskar Lafontaine, seit 1999 Ex-Bundesfinanzminister und Ex-SPD-Chef, weiß, wie die Welt zu retten ist. In der Bibel steht es: Um des Friedens willen solle George W. Bush Saddam Hussein lieben.

Lafontaine: "Gute müssen Böse lieben"
AP

Lafontaine: "Gute müssen Böse lieben"

Hamburg - Am Wochenende demonstrierten elf Millionen Menschen weltweit gegen einen drohenden Angriff der USA auf den Irak. Doch gegen den Krieg bedeutet ja nicht automatisch für den Machthaber im Zweistromland.

Oskar Lafontaine sieht das offenbar anders: In seiner "Bild"-Kolumne "Mein Herz schlägt links" holte der 59-Jährige zum Thema "Gibt es wirklich eine Chance auf Frieden?" weit aus: Die Welt soll von den Satten regiert werden, habe der britische Politiker Winston Churchill einst gesagt. Denn läge sie in den Händen Hungriger, gäbe es fortwährend Gefahr, schreibt Lafontaine. Doch die Geschichte lehre: "Leider kriegen die Satten nie genug." Als es um Land und Gold gegangen sei, habe man die Indianer massakriert, dann seien Sklaven als billige Arbeitskräfte ausgebeutet worden. "Millionen 'Negern' brachte der Sklavenhandel den Tod," heißt es in Lafontaines Kolumne.

Jetzt, im Industriezeitalter seien Öl und Gas "wichtige 'Arbeitskräfte'". Im Handbuch des US-Verteidigungsministeriums heiße es daher: "Wir wollen im Nahen Osten die vorherrschende Fremdmacht bleiben, um den US-amerikanischen Zugang zu den Ölreserven zu bewahren."

Frieden habe daher nur eine Chance, "wenn die Amerikaner lernen, Energie zu sparen", schreibt der ehemalige Bundespolitiker. Wenn sie aufhörten, Waffen in alle Welt zu liefern. Wenn sie selbst atomar abrüsteten und Biowaffen-Kontrollen nicht nur im Irak forderten, sondern auch im eigenen Land zuließen. Bush selbst stelle sich beim Morgengebet die Frage: "Was würde Jesus tun?"

Und darauf serviert Lafontaine auch gleich die Antwort: "Jesus sagte: 'Liebet eure Feinde.' In Ihrer Sprache, Herr Präsident: Gute müssen Böse lieben."

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