Flugzeugabsturz im Sauerland Mindestens ein Toter bei Abfangübung der Luftwaffe

Ein Learjet ist über dem Sauerland mit einem "Eurofighter" kollidiert und in Flammen aufgegangen. Wie kam es zu dem Unglück, bei dem mindestens ein Mensch starb? Die Piloten der Kampfjets galten als erfahren.


Olsberg - Es sollte eine Übung sein, ein Routineeinsatz mit erfahrenen Piloten und klar festgeschriebenem Prozedere. Doch ein Trainingsflug der Luftwaffe im Sauerland endete am Montagnachmittag in einem Unglück.

Aus bisher unbekannten Gründen stieß ein Zivilflugzeug mit einem "Eurofighter" zusammen und stürzte ab. Die Flugzeuge befanden sich zum Unglückszeitpunkt in drei bis fünf Kilometern Höhe über einem Waldstück bei Olsberg-Elpe in Nordrhein-Westfalen.

Der Businessjet ging in Flammen auf. Mindestens eine Person starb. Nahe der schwer zugänglichen Absturzstelle seien Leichenteile gefunden worden, sagte ein Polizeisprecher in Meschede. Es handle sich vermutlich um einen der beiden Insassen der Zivilmaschine.

Inzwischen sind die Löscharbeiten beendet. In dem kleinen Ort Elpe wurde laut Angaben von Polizei und Feuerwehr niemand verletzt. Das war Glück, denn die Absturzstelle befindet sich nur wenige Meter hinter dem Ortsausgang. Bernd Klauke fuhr nur Minuten vor dem Absturz genau an der Unglücksstelle vorbei nach Hause: "Dann habe ich einen Knall gehört und die Flammen gesehen. Ich mag mir nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn ich später nach Hause gekommen wäre", sagt er.

Einschränkungen für entsprechende Manöver über bewohntem Gebiet gibt es laut Luftwaffe nicht. Lediglich Tiefflüge in Höhen unter 600 Metern seien etwa über größeren Städten und Industrieanlagen verboten.

Noch immer ist unklar, wie es zu dem Unglück kommen konnte. Laut Informationen von SPIEGEL ONLINE befanden sich beide Flugzeuge in einer Linkskurve, als der Learjet die Militärmaschine touchierte, ins Trudeln geriet und abstürzte. Im Gegensatz zu den Kampfjets ist der Learjet nicht mit Schleudersitzen ausgestattet.

Kollision an Flügel und Rumpf

Der "Eurofighter" wurde bei der Kollision schwer beschädigt, konnte aber auf die Basis auf dem Fliegerhorst Nörvenich bei Köln zurückkehren. Ein zweiter an der Übung beteiligter Jet sei in Köln-Wahn gelandet, sagte der Kommodore des Taktischen Luftwaffengeschwaders 31, Oberst Andreas Hoppe.

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Bundeswehrübung: Learjet bei Kollision mit Eurofighter abgestürzt
Beide Piloten der Bundeswehrjets seien sehr erfahren und hätten die Übung schon sehr oft gemacht. Es habe keine Hinweise darauf gegeben, wie es zu dem Unfall kommen konnte, sagte der 48-jährige Kommandant. Die beiden Flugzeuge seien sowohl am Flügel als auch am Rumpf miteinander kollidiert.

Bei der Übung sei es um zivile Flugzeuge in Notlagen gegangen, die sich nicht mehr über Funk melden können. Im Ernstfall nehmen in solchen Fällen zwei "Eurofighter" Sichtkontakt auf und leiten die Maschine zum nächsten Flugplatz, erklärte Hoppe. Ein "Eurofighter" fliege dabei in einem Abstand von 500 bis 1000 Metern neben dem Zivilflugzeug, das andere etwa drei Kilometer dahinter. Ein solcher Übungsflug gilt als Routineeinsatz für die Piloten.

"Glanzleistung des Piloten"

Die beiden Bundeswehrmaschinen waren in Nörvenich gestartet. Dort ist zurzeit eine der beiden "Eurofighter"-Alarmrotten stationiert, die den deutschen Luftraum sichern sollen. Einem Luftwaffensprecher zufolge handelte es sich bei den beteiligten Maschinen allerdings nicht um die beiden Kampfjets der Alarmrotte, sondern um Trainingsflugzeuge.

Die Zivilmaschine sei für die Gesellschaft für Flugzieldarstellung (GFD) unterwegs gewesen, sagte ein Luftwaffensprecher. Bei dem Übungsflug handelte es sich um eine Kooperation von Luftwaffe und GFD, einem Tochterunternehmen der Airbus Defence and Space.

Es sei eine Glanzleistung des Piloten des beschädigten Flugzeugs gewesen, seine Maschine wieder sicher zurückzubringen, sagte Hoppe. Beide Piloten würden nun psychologisch betreut. In den kommenden Tagen wolle man sie befragen. Die Aufzeichnungssysteme der Flugzeuge sollen ausgewertet werden.

An der Unfallstelle haben die Untersuchungen der Ursachen begonnen. Daran sind der General Flugsicherheit der Bundeswehr sowie die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung beteiligt. Es ist das erste Unglück dieser Art im deutschen Luftraum seit zehn Jahren, ähnliche Unglücke hatte es seit 1989 jedoch immer wieder gegeben.

Der "Eurofighter" ist ein mit zweifacher Schallgeschwindigkeit fliegender Kampfjet. Das knapp 16 Meter lange Hightech-Flugzeug wird unter anderem ausgerüstet mit im Luftkampf eingesetzten Luft-Luft-Raketen und mit Luft-Boden-Raketen, einschließlich lasergesteuerter Geschosse.

An der Entwicklung waren Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien beteiligt. Um das Flugzeug gab es in der Vergangenheit heftige politische Diskussionen, unter anderem, weil es immer teurer wurde. Pro Stück kostet ein Jet derzeit mehr als 100 Millionen Euro.

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ala/mgb/rls/dpa



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