Bilder der Woche Leben hinter Plastik

Die Pandemie verändert unser Sozialleben: Nähe wird zum raren Gut, das wir nur noch mit wenigen teilen. Außerdem in den Bildern der Woche: Neugierige Katzen und ein wahr gewordener Kindheitstraum.
Von Oliver Schmitt
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Tänzerinnen am Erawan-Schrein in Thailands Hauptstadt Bangkok tragen Gesichtsvisiere während ihrer Performance. Die im Englischen "Face Shields" genannten Schutzmasken sind in anderen Teilen der Welt, insbesondere in Asien, weitaus verbreiteter als hierzulande, wo man sie noch selten sieht.

Foto: SOE ZEYA TUN/ REUTERS
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Auch dieses Neugeborene in Hanoi, Vietnam, trägt eines. Überhaupt könnte man sich fragen, ob man uns in Asien einen Schritt voraus ist, was den Infektionsschutz anbelangt. Auch wenn das offenbar bedeutet, dass sich große Teile des sozialen Lebens künftig hinter Plastik abspielen.

Foto: KHAM/ REUTERS
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Zumindest im Bereich der Gastronomie gibt es, wie hier in Bangkok, bereits Konzepte, von denen man lernen könnte. Auch wenn es für uns noch befremdlich wirkt, vielleicht ist das die neue Normalität, die uns das Virus aufzwingt. "Life in plastic, it's fantastic" lautete eine visionäre Zeile in "Barbie Girl", einem bizarren Neunzigerjahre-Hit, an den sich die Älteren unter Ihnen noch mit Schaudern erinnern werden.

Foto: LILLIAN SUWANRUMPHA/ AFP
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In Wuhan, China, sind die ersten Kinder am 6. Mai wieder in die Schule zurückgekehrt. Auch hier kommen zunächst die älteren Schüler an die Reihe. Während in Deutschland noch um den richtigen Weg im Hinblick auf Schulöffnungen gerungen wird und es zum Teil an elementaren Hygienevoraussetzungen wie warmem Wasser oder Seifenspendern hapert, ist man in China bereits weiter - zumindest, was die Ausstattung der Schulen anbelangt. Die Kontroverse um die Schulen ist berechtigt: Im Format DER SPIEGEL fragt... mit Markus Feldenkirchen hat der Epidemiologe und SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach eine Studie aus China zitiert, wonach alleine 40 Prozent des Erfolges der chinesischen Lockdown-Maßnahmen auf die Schließung der Schulen entfallen.

Foto: STR/ AFP
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Auch das kulturelle Leben findet, wenn überhaupt, noch immer unter erschwerten Bedingungen statt, wie diese Bandprobe in Washington.

Foto: EVA HAMBACH/ AFP
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Dinge, die jeder gern verdrängt - gerade in Zeiten, wo alle von Lockerungen der Maßnahmen zur Infektionseindämmung reden: Die Gefahr, schwer an Covid-19 zu erkranken, ist nach wie vor real, trotz sinkender Infektionszahlen und auch für Menschen, die nicht zu den viel zitierten Risikogruppen gehören. Wer auf der Intensivstation liegt, ist mit existenziellen Fragen konfrontiert. Ohne die Möglichkeit, von geliebten Menschen besucht zu werden, ist die Zuwendung der Pflegekräfte enorm wichtig. Großbritannien, wo dieses Bild aufgenommen wurde, hat mittlerweile mehr Tote aufgrund von Corona-Infektionen zu verzeichnen als Italien und wird bei der Zahl der absoluten Todesfälle nur noch von den USA übertroffen.

Foto: NEIL HALL/ AFP
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Schlaflos in Moskau: "Erst in der Isolation zeigt sich, wie viel besser es dem Menschen geht, wenn er sich über andere ärgert und nicht bloß über sich selbst", schreibt meine Kollegin Elke Schmitter in ihrem Essay .

Foto: KIRILL KUDRYAVTSEV/ AFP
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In Spanien wird die seit 14. März geltende, strikte Ausgangssperre schrittweise gelockert. Nachdem zuerst Kinder wieder draußen spielen konnten, dürfen nun alle Spanier wieder zu Spaziergängen oder zum Sport ins Freie. Der ältere Mann im Foto, vor Graffito, in Madrid, verbirgt seine Freude hinter einer Gesichtsmaske.

Foto: GABRIEL BOUYS/ AFP
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Iljuschin-II-76-Transportflugzeuge, aufgenommen aus dem Innenhof eines Wohnhauses in Moskau, bei einer Probe für die Feierlichkeiten zum 75. Jahrestag des Sieges der Sowjetunion über Deutschland. Der 9. Mai wird in Russland als "Tag des Sieges" gefeiert und ist ein gesetzlicher Feiertag. Die geplante Großparade auf dem Roten Platz musste jedoch wegen der Corona-Pandemie verschoben werden.

Foto: MAXIM SHEMETOV/ REUTERS
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Eine einsame Krähe überquert eine Straße in Frankfurt am Main. Das Bild täuscht: Die Verkehrsdichte in Deutschlands Städten, die im März zwischenzeitlich um bis zu 40 Prozent gefallen war, steigt wieder spürbar an. In anderen Ländern, in denen es strikte Ausgangssperren gab, war der Effekt noch größer.

Foto: Michael Probst/ AP
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Etwa in Frankreich, wo nach 50 Tagen Ausgangssperre selbst der tägliche Kreidestrich zum Happening wird. Zumindest diese Katze scheint das Ritual noch nicht zu langweilen. Katzenfreunde wissen: Felis silvestris catus ist ein Gewohnheitstier und Neugier eine der hervorstechendsten Eigenschaften der Vierbeiner - wie auch der große Verwandte im nächsten Bild, quasi auf Knopfdruck, zeigt.

Foto: JEAN-PHILIPPE KSIAZEK/ AFP
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Klick! Ein Schneeleopard beim unfreiwilligen Selfie vor einer Fotofalle. Die Population der Großkatzen wird weltweit auf 4000-6000 Tiere geschätzt und hält sich in der Regel in Regionen über 2000 Meter Höhe auf, wo sie selten Kontakt zu Menschen hat. Die Fotofallen, wie hier in Lhasa, Tibet, sollen helfen, den Bestand der Tiere genauer zu erfassen.

Foto: ---/ Xinhua/ dpa
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Kindheitstraum: Adrian Zamarripa, 5, auf dem Schoß seiner Mutter im Lamborghini Huracan von Jeremy Neves (rechts), in Ogden, Utah. Der Fünfjährige hatte aus Ärger darüber, dass seine Eltern ihm keinen Lamborghini schenken wollten, entschieden, sich allein im Auto seiner Eltern auf den Weg zu seiner Schwester nach Kalifornien zu machen, um dort selber einen zu kaufen. Nach etwa drei Kilometern wurde er von der Polizei gestoppt, die sich nicht nur darüber wunderte, dass der Junge kaum über das Steuer blicken konnte, sondern auch feststellte, dass sein Taschengeld von drei Dollar kaum für den Sportwagen reichen würde. Neves, der von der Geschichte aus den Medien erfuhr, machte sich daraufhin auf den Weg, um den Jungen zu einer Spritztour einzuladen.

Foto: Scott G Winterton/ The Deseret News/ AP
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Wohnungslos: Dominick Walton schläft im Auto in den Straßen von Houston, Texas. Millionen Amerikaner müssen derzeit eine finanzielle Triage-Entscheidung treffen und sich dabei entweder für ihre Immobilien-Hypothek, den Autokredit, Krankenversicherung, Stromrechnung oder die monatliche Rate fürs Auto entscheiden, weil es nicht für alles zusammen reicht. 30 Millionen Amerikaner haben sich binnen weniger Wochen arbeitslos gemeldet.

Foto: GO NAKAMURA/ REUTERS
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Je länger die Pandemie andauert, desto mehr polarisieren die Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung: In San Diego, Kalifornien, demonstrieren Gegner von US-Präsident Trump mit Verweis auf seine wirre Pressekonferenz, bei der er über den innerlichen Einsatz von Desinfektionsmitteln spekulierte. So krude wie Trumps Vorstellung von Medizin sind zunehmend auch die Allianzen, die sich bei den Protesten formen - nicht nur in den USA, wo nun Gegner und Fans des Präsidenten gegen die Einschränkung ihrer Rechte aufbegehren, sondern auch in Deutschland.

Foto: SANDY HUFFAKER/ AFP
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Johannesburg, Südafrika: Manchmal gibt es diese Fotos voller Symbolkraft, die keiner Erklärung bedürfen und für die tatsächlich die Formulierung "ein Bild sagt mehr als tausend Worte" zutrifft.

Foto: MARCO LONGARI/ AFP
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Verwandte und Freunde beobachten, wie die Leiche von Vitallis Ochilo Owino vor einer Polizeistation in Nairobi, Kenia von einem Karren gehoben wird. Der 39-Jährige ist angeblich von der Polizei zu Tode geprügelt worden, weil er trotz Ausgangssperre nachts auf der Straße angetroffen wurde. Menschenrechtsaktivisten warnen, dass in Kenia bisher mehr Menschen durch Polizeigewalt im Zusammenhang mit der Coronakrise gestorben sind als am Virus selbst.

Foto: LUIS TATO/ AFP
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Auch in Indien geht die Polizei hart gegen Menschen vor, die sich nicht an die von der Regierung verhängten Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus halten: Dieser Mann soll das Abstandsgebot verletzt haben.

Foto: ADNAN ABIDI/ REUTERS
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Eine Familie beim "Iftar", dem abendlichen Fastenbrechen während des Fastenmonats Ramadan, in den Überresten ihres zerstörten Hauses im syrischen Ariha. Für viele Menschen in der umkämpften Provinz Idlib ist die Entscheidung, ihre Wohnorte zu verlassen, um den Kampfhandlungen zu entkommen, schwieriger denn je: Aus Angst vor dem Coronavirus in den übervollen Flüchtlingscamps haben sich einige wieder zur Rückkehr entschlossen - auch wenn dort der Bombenhagel der Regierungstruppen wartet.

Foto:

AAREF WATAD/ AFP

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Andernorts in der muslimischen Welt lässt es sich etwas unbeschwerter feiern, so wie hier im Rafah-Flüchtlingscamp im Gazastreifen, wo ein Jugendlicher einen selbstgemachten Feuerwerkskörper zündet. Etwa ein Viertel der fast 200.000 Einwohner Rafahs lebt in der bereits seit 1949 bestehenden Siedlung an der ägyptischen Grenze.

Foto: MAHMUD HAMS/ AFP
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Auch im irakischen Nadschaf, einer der sieben heiligen Städte des Islam und der nach Mekka und Medina für den Schiismus bedeutsamsten Stadt, wird natürlich der Ramadan begangen. Sport ist von den Verzichtsgeboten nicht betroffen, im Bild sieht man Jugendliche beim Parkourtraining.

Foto: ALAA AL-MARJANI/ REUTERS
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Eine Frau verkauft Snacks am Straßenrand in Siaya, Kenia, eingerahmt von einem doppelten Regenbogen.

Foto: THOMAS MUKOYA/ REUTERS
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Lagerhaus-Brand in Neu-Delhi, Indien: Feuerwehrleute beim Löscheinsatz.

Foto: AFP
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Sportklettern sollte 2020 zum ersten Mal als Wettbewerb bei den olympischen Spielen in Tokio ausgetragen werden. Nun muss sich die australische Kletterin Angie Scarth-Johnson noch etwas länger gedulden, die Spiele wurden auf das Jahr 2021 verschoben. Hier trainiert sie für die australische Auswahl in den Blue Mountains, westlich von Sydney.

Foto: BRENDON THORNE/ EPA-EFE/Shutterstock
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Andere Athleten haben weniger majestätische Trainingskulissen, aber dafür immerhin Zuschauer - wie der britische Turner Dominick Cunningham. Da lachen ja die... Pferde!

Foto: CARL RECINE/ REUTERS
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Biolumineszenz heißt das Phänomen, welches das blaue Meeresleuchten hinter dem Surfer in Kalifornien verursacht. Dabei werden Dinoflagellaten, Einzeller, die den Algen zugerechnet werden, durch mechanische Stimulation, in diesem Fall das Wellenbrechen, zum Leuchten gebracht.

Foto: Mark J. Terrill/ AP
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Wellen gibt es hier keine, dafür stilles, klares Wasser und Morgennebel - eine Atmosphäre, die Angler schätzen, wie sicher auch dieser Mann in Greenwood, USA. Viele Angler hierzulande haben nicht nur Grund zur Freude, weil nach und nach die Reisebeschränkungen zwischen den Bundesländern aufgehoben werden, sondern auch, weil im Mai in vielen Bundesländern die Schonzeit für Hecht und Zander endet.

Foto: Andree Kehn/ Sun Journal/ AP/ dpa
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Vollmond über dem Taunus: Am 6./7. Mai war der letzte von vier sogenannten "Supermonden" des Jahres 2020. Der Mond wirkt dabei so groß, weil er der Erde besonders nahe kommt.

Foto: Michael Probst/ AP
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