Fotostrecke

James Arthur Ray: New-Age-Guru mit zweifelhaften Techniken

Foto: Tom Tingle/ AP

Lebensgefährliches New-Age-Ritual Selbstfindung bis in den Tod

James Arthur Ray ist einer der bekanntesten New-Age-Gurus der USA, sogar bei Oprah Winfrey warb er für seine obskure Bewegung - jetzt droht ihm eine Anklage wegen eines todbringenden Rituals. Nach einem Massen-Saunagang in der Wüste Arizonas mussten 21 Menschen ins Krankenhaus, drei starben.

Sedona - Für ihren Tod bezahlten sie 9695 Dollar. James Shore, 40, Kirby Brown, 38, und Liz Neuman, 49, hatten ein Seminar zur Selbstfindung gebucht, ein Programm namens "Spiritual Warrior" des New-Age-Gurus James Arthur Ray.

Mit seinen Büchern und Fernsehauftritten bei den Talk-Granden Oprah Winfrey und Larry King ist er in den USA berühmt geworden - und reich. Amerikas Esoteriker pilgern zu ihm. Es sind viele, die nach einem Sinn im Leben suchen. Doch diesmal geht etwas schief: Am Ende seines Seminars am 8. Oktober sind Shore und Brown tot, 21 Menschen müssen ins Krankenhaus, unter ihnen Neuman, die eineinhalb Wochen später stirbt.

"Sie werden eingeweiht in Techniken, viele von ihnen seit Generationen geheim, die ich in den Bergen Perus und den Dschungeln des Amazonas erlernt habe - und an anderen Orten, die ich hier nicht aufzählen möchte", verspricht Ray auf seiner Website. Nach dreieinhalb Tagen mit Wanderungen, Meditationen und Atemübungen sollen die mehr als 60 Teilnehmer 36 Stunden im Angel Valley nahe der Stadt Sedona (Arizona), einem Ort mit 11.000 Einwohnern und Nabel der US-Esoterik, verbringen und fasten, um den Körper zu reinigen.

Den Abschluss bildet ein indianisches Ritual: zwei Stunden in der "Sweat Lodge", der Schwitzhütte. Doch der Holzverschlag, bedeckt mit Planen und Decken, geheizt mit heißen Steinen und nur 39 Quadratmeter groß, wird zur Todesfalle.

"Manche wollten gehen, aber ihnen fehlte die Kraft"

"Überall waren Leute, die sich übergaben", sagt Beverley Bunn, eine Kieferorthopädin aus Texas, der "New York Times". Sie stand inmitten der Schwitzenden, als nach und nach immer mehr von ihnen in Ohnmacht fielen - geschwächt von der Askese und der Hitze, nach Luft ringend in der viel zu dicht besetzten Hütte. Ray, berichtet Bunn, habe gesagt: "Es ist gut, dass ihr euch übergebt. Der Körper behält nur, was er braucht." Ray habe vor der Eingangstür gesessen und sie nur geöffnet, um heiße Steine nachzulegen. Nur kurz sei frische Luft hereingeströmt und nur etwa jede Viertelstunde.

Wer gehen wollte, sei von Ray animiert worden, zu bleiben. "Manche wollten gehen, aber ihnen fehlte die Kraft. Andere schafften es", sagt der Anwalt von Sidney Spencer, einer weiteren Überlebenden. "Seine Parole war: 'Haltet durch! Ihr müsst über diese Grenze gehen.'" Nur drei, sagt Beverley Bunn, hätten es geschafft, die Hütte zu verlassen.

Am Ende der Zeremonie klettern die meisten Teilnehmer benommen aus der Hütte. Rays Mitarbeiter überschütten sie mit Wasser, um ihre Körper zu kühlen. Manche, beschreibt Bunn, hätten kaum noch geatmet und blutunterlaufene Augen gehabt. Eine Frau sei beinahe ins Feuer gelaufen, nicht wissend, wo sie sei. "Und Ray tat nichts. Er half nicht. Er stand einfach nur da."

James Shore und Kirby Brown sind dem Tode nahe, sie sterben noch am selben Abend auf dem Weg ins Krankenhaus. Liz Neuman wacht aus dem Koma nicht mehr auf. Sie stirbt am 17. Oktober.

"Sie kontrollieren Menschen!"

James Arthur Ray lässt über einen Sprecher mitteilen, die meisten Teilnehmer des Seminars hätten "unglaubliche Erfahrungen" gemacht. In seinem Internet-Blog schreibt er am Dienstag, die letzten Tage seien "die schwersten meines ganzen Lebens" gewesen. Er fühle den Schmerz der Hinterbliebenen und ihren Ärger. Und auch er wolle, dass der Fall aufgeklärt werde. Seine Arbeit will er fortsetzen: "Sie ist zu wichtig, um sie nicht zu tun."

Ray selbst sieht sich als Wegbereiter des Glücks. In seinen Schriften und Reden verheißt er Erfüllung: physisch, mental und - daraus folgend - auch finanziell. Mehr als 200 Tage im Jahr hält er Vorträge und gibt Seminare. Sein Buch "Harmonic Wealth" wurde 2008 in den USA zu einem Bestseller.

Mit dem Geschäft um das eigene Ich macht er Millionen. Das nach ihm benannte Unternehmen schaffte es in diesem Jahr in die vom US-Wirtschaftsmagazin "Inc." erstellte Liste der 500 US-Unternehmen mit dem größten prozentualen Wachstum (Platz 479). Der Jahresgewinn lag 2008 bei 9,4 Millionen Dollar. Zum Vergleich: 2005 waren es noch 1,5 Millionen.

Doch Tote sind nicht gut fürs Geschäft. Am Dienstag hielt Ray einen Vortrag in Denver. Es hat Applaus gegeben für ihn, aber auch Kritik, einer hat gerufen: "Sie kontrollieren Menschen! Sie haben an der Tür gestanden und die Menschen nicht herausgelassen!" Ray antwortete nicht. Stattdessen bat er um einen Moment des Schweigens "für jene, die gestorben sind".

Der Sheriff des Yavapai Countys, Steve Waugh, ist unterdessen tätig geworden: Er ermittelt wegen Mordes. Die Untersuchungen laufen. Ray hat ein eigenes Detektiv-Team engagiert. Es soll herausfinden, was schiefgelaufen ist am 8. Oktober in der Wüste Arizonas.

get/AP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.