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SACHBUCH Lebenslänglich

aus DER SPIEGEL 5/2002

An einem Sommertag des Jahres 1971 schrieb er deutsche Kriminalgeschichte: Dimitri Todorov, damals 24, setzte sich einen Sturzhelm auf und überfiel zusammen mit einem Komplizen die Filiale der Deutschen Bank in der Münchner Prinzregentenstraße - die ersten Geiselgangster der Bundesrepublik. Natürlich ging das Unternehmen schief: Eine Geisel starb, Todorovs Kumpan wurde von der Polizei erschossen, Todorov später zu lebenslanger Haft verurteilt. 22 Jahre verbrachte der gebürtige Grazer in den Gefängnissen von Straubing und Stadelheim. Jetzt hat der inzwischen 54-Jährige sein Leben hinter Gittern aufgeschrieben. »22 Jahre Knast. Autobiographie eines Lebenslänglichen« ist eine sympathischnaive Szenensammlung, authentisch im Ton, trotzig in der Sache. Vor allem aber dokumentiert diese Geschichte den Wandel der Bundesrepublik: Als Todorov nach über zwei Jahrzehnten entlassen wurde, hatte sich das Land noch stärker verändert als er selbst.

Dimitri Todorov: »22 Jahre Knast. Autobiographie einesLebenslänglichen«. Knaur-Verlag, München; 272 Seiten; 7,45 Euro.

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