Lebenslange Haftstrafe für Kindermörder "Sie erwartet Schlimmeres als der Tod"

Markus Wirtz und Markus Lewendel sind wegen Mordes an den Geschwistern Tom und Sonja zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Lewendel nahm das Urteil äußerlich ungerührt auf, Wirtz dagegen rang mit den Tränen. Der Vorsitzende Richter sagte, die Tat der beiden Männer sei so furchtbar, dass sie keine Vergebung verdienten.




Wirtz, Lewendel bei der Urteilsverkündung
DDP

Wirtz, Lewendel bei der Urteilsverkündung

Aachen - Das Urteil - lebenslange Haftstrafe und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld - werde für die beiden Mörder und Kinderschänder "vielleicht schlimmer als die Todesstrafe", sagte der Vorsitzende Richter Gerd Nohl am Montag bei der Urteilsverkündung. "Ich gehe davon aus, dass das, was sie in den folgenden Jahren erwartet, schlimmer sein wird als der Tod. Sie werden im Gefängnis als Kindermörder und Kinderschänder auf der untersten Stufe stehen und werden sich für lange Zeit im Gefängnis gefahrlos nicht bewegen können."

Zwei Stunden später ließ der Richter über einen Gerichtssprecher seine Aussage abschwächen: "Da liest man manchmal, dass die Todesstrafe humaner sei als lebenslänglich. Das kann man bezogen auf die Angeklagten so ausdrücken, da sie auf der untersten Stufe stehen und nicht mehr am alltäglichen Leben teilnehmen können und sich lange Zeit nicht gefahrlos bewegen können. Das könnte vielleicht schlimmer sein als der Tod", hieß es in der autorisierte Fassung des Zitats.

Markus Wirtz, 28, und Markus Lewendel, 34, verfolgten im voll besetzten Gerichtssaal die Ausführungen des Richters mit starren Gesichtern. Während Lewendel Kaugummi kauend aus dem Fenster sah, brach Wirtz in Tränen aus. Die beiden Männer hatten während des Prozesses zugegeben, die Eschweiler Geschwister Tom und Sonja gekidnappt und ermordet zu haben. Den Jungen hatten sie noch am Tag der Entführung getötet, das Mädchen wurde von den Männern zwei Tage lang missbraucht, dann wurde sie von ihren Peinigern erdrosselt.

Richter Nohl: "Im Namen des Volkes"
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Richter Nohl: "Im Namen des Volkes"

"Ich habe bislang in keinem Verfahren, an dem ich beteiligt war, etwas Kaltherzigeres, Grausameres, Menschenverachtenderes und Unbegreiflicheres gehört oder gesehen als in diesem Verfahren", sagte Nohl. Die Tat sei so furchtbar, dass es keine Vergebung gebe.

Eine besondere Heimtücke und Grausamkeit der Taten, wie sie die Nebenklage gefordert hatte, erkannte das Gericht aber nicht. Nohl sagte, dies hätte für die Bemessung des Strafmaßes keine Rolle gespielt. Auch die von der Nebenklage geforderte Sicherheitsverwahrung nach Verbüßen der Tat lehnte das Gericht ab. Zu gegebener Zeit würden die Bedingungen für eine mögliche Sicherheitsverwahrung ohnehin geprüft.

Bis zur Urteilsbegründung habe er "wegen der Stimmen auf der Straße, am Stammtisch und im Bus überlegt, ob ich das Urteil im Namen des Volkes verkünden soll", sagte Nohl. "Ich habe es getan in der Hoffnung, dass die Mehrheit unser Urteil versteht."

Der Richter wies darauf hin, dass in Nordrhein-Westfalen zu lebenslanger Haft Verurteilte im Durchschnitt 20 Jahre und zwei Monate inhaftiert bleiben. Bei einer besonderen Schwere der Schuld werde in diesem Bundesland im Schnitt erstmals nach 18 Jahren geprüft, ob Umstände für eine vorzeitige Haftentlassung vorliegen. "Eine Entlassung wird hier wohl erst weit jenseits der 18 Jahre möglich sein", sagte er.



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