Lebensretter in Manhattan Amerika feiert den Subway-Superman

Die Talkshows reißen sich um ihn, Donald Trump schickt ihm einen Scheck, und Bürgermeister Michael Bloomberg ehrt ihn: Der New Yorker Wesley Autrey ist zum Nationalhelden geworden, weil er einem Fremden das Leben gerettet und sein eigenes damit riskiert hat - für ihn eine Selbstverständlichkeit.


Hamburg - Es blieb nicht viel Zeit, um nachzudenken. Als der einfahrende Zug nahte, sprang der 50-jährige Autrey kurzentschlossen auf die Gleise, um einem jungen Mann zu helfen. Cameron Hollopeter, 20, hatte einen Anfall erlitten und war vom Bahnsteig der U-Bahnstation im Stadtteil Harlem gefallen. Hilflos lag er auf den Gleisen und zuckte. Autrey drückte den Mann auf den Boden, so dass keiner von beiden von der U-Bahn erfasst wurde.

Lebensretter Autrey: "Zur richtigen Zeit am richtigen Ort"
AP

Lebensretter Autrey: "Zur richtigen Zeit am richtigen Ort"

Sowohl Autrey, als auch Hollopeter blieben bei dem Zwischenfall am Dienstag unverletzt, der 20-Jährige befindet sich allerdings noch im Krankenhaus, wo er sich verschiedenen Tests unterziehen muss. Die Ärzte wollen herausfinden, was den Anfall auslöste.

Autrey ist inzwischen zum Helden Amerikas avanciert. Er selbst spielt die Tat jedoch herunter: Als ihm New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg die Bronzemedaille der Stadt überreichte, gab sich Autrey verwundert. "Wenn du jemanden in Not siehst, hilfst du doch", sagte er später bei einer Pressekonferenz, wo er mit seinen vier und sechs Jahre alten Töchtern erschien, die auch bei seiner Heldentat mit am Bahnsteig standen. "Ich war nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort."

Statt als Held präsentierte sich Autrey als Patriot: Während Bloomberg den Bauarbeiter als "wahren Helden" bezeichnete, Hollopeters Stiefmutter ihn "Engel" nannte und die "New York Post" ihm den Beinamen "Subway-Superman" verpasste, sagte Autrey: "Die wirklichen Helden sind unsere Soldaten im Irak."

Zusammen mit der Medaille bekam der Lebensretter einen ein Jahr lang gültigen Freifahrtschein für die öffentlichen Verkehrsmittel in New York überreicht. Dann traf er auch mit Immobilienmogul Donald Trump zusammen, der ihm, begeistert über seinen Einsatz, einen Scheck über 10.000 Dollar überreichte. Von zwei anonymen Spendern erhielt Autrey ebenfalls Schecks.

Disney World in Florida spendierte der gesamten Familie Autrey eine einwöchige Reise, die New York Film Academy, an der der gerettete Hollopeter studiert, überwies ebenfalls 5000 Dollar. Die Talk-Größen David Letterman und Ellen DeGeneres luden Autrey umgehend zu sich in die Show ein.

"Gutes passiert, wenn du Gutes tust", so die Devise Autreys. "Wie könnte man ein neues Jahr besser beginnen, als damit, jemandem das Leben zu retten?" Autrey war auch schon im Krankenhaus und hat den von ihm geretteten jungen Mann besucht.

dab/Reuters/AP



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.