Lehrergewerkschaften Aus Schulen keine Hochsicherheitstrakte machen

Zutiefst schockiert haben sich die beiden großen Lehrerorganisationen über den Amokläufer an einem Erfurter Gymnasium gezeigt: Sie warnten jedoch davor, Schulen zu Hochsicherheitstrakten umzurüsten.


Berlin - Es sollten keine voreiligen Forderungen gestellt werden, weil noch viel zu wenig über die Hintergründe der Tat bekannt seien, sagte die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Eva-Maria Stange. Grundsätzlich müsse jedoch über mehr Sicherheit in den Schulen nachgedacht werden, nachdem mit dem Erfurter Amoklauf jetzt zum wiederholten Mal ein Gymnasium im Mittelpunkt einer Gewaltattacke stehe. Stange sagte, sie wolle keine "amerikanischen Verhältnisse" an deutschen Schulen mit Metalldetektoren und ständiger Video-Überwachung.

Auch der Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Ludwig Eckinger sagte, er sei dagegen, "Schulen zu Hochsicherheitstrakten umzurüsten". Jedoch sollte eine "besetzte Pförtnerloge im Foyer" den Zugang zu den Schulräumen sichern. Die Schulträger hätten durch ihre "schlimme Rotstiftpolitik gerade dieses nötige Umfeld der Schulen abgeschafft, so dass Schulen gegenüber kriminellen Übergriffen ungeschützt sind".

Auch Stange hält einen Pförtner in jeder Schule für sinnvoll. Sie befürchte allerdings, dass auch ein Pförtner eine Gewalttat wie in Erfurt kaum hätte verhindern können, so die GEW-Vorsitzende. Schulen sind nach den Worten von Stange genau so schwer zu schützen wie öffentliche Gebäude mit Publikumsverkehr oder eine Buchhandlung.

Beide Organisationen unterstrichen, dass die Pädagogen die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt als eine Herausforderung im Unterricht annehmen müssen. "Gewalt darf weder als menschliche Umgangsform toleriert werden noch zu Resignation führen", sagte Eckinger.



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