Leichenspektakel Professor besteht auf Obduktion

Obwohl die britischen Behörden Gunther von Hagens unter Androhung einer Haftstrafe verboten haben, öffentlich eine Leiche zu sezieren, will er sich nicht abhalten lassen. Der deutsche Anatomieprofessor, der mit seiner Ausstellung "Körperwelten" bereits ein Millionenpublikum anzog, erklärte, er werde die Obduktion auf jeden Fall durchführen.


Gunther von Hagens: "Erschrocken, aber rechtlich sicher"
DPA

Gunther von Hagens: "Erschrocken, aber rechtlich sicher"

London - Der 57-Jährige sagte der BBC am Mittwoch: "Ich lasse mich nicht stoppen. Ich bin hier in einem demokratischen Land und kann tun, was innerhalb des Rechts zulässig ist." Über das Verbot sei er "erschrocken", sagte er. Rechtlich fühle er sich aber "sicher". Zuvor hatte das britische Gesundheitsministerium die geplante Live-Sezierung verboten. Die Polizei wurde angewiesen, die "notwendigen Maßnahmen" zu ergreifen.

Der Heidelberger Professor rief nun die Öffentlichkeit auf, für die geplante Leichenöffnung zu demonstrieren. Mit der ersten öffentlichen Sezierung in London seit rund 170 Jahren wolle er auch Nichtmediziner an der "einzigartigen Erfahrung" teilhaben lassen, schreibt er auf seiner Website. Ab dem 16. Jahrhundert seien Vorführungen, in denen Mediziner "die Wunder des menschlichen Körpers" mit Laien geteilt hätten, rund 200 Jahre lang in ganz Europa populär gewesen.

In der Ausstellung "Körperwelten" zeigt von Hagens präparierte menschliche Leichen
DPA

In der Ausstellung "Körperwelten" zeigt von Hagens präparierte menschliche Leichen

Für die für am Mittwochabend geplante Veranstaltung wurden etwa 500 Karten zu zwölf Pfund (19 Euro) verkauft. Die Obduktion soll auf Großleinwänden und auszugsweise im TV übertragen werden. Die Organe der Leiche sollten in Schalen im Publikum herumgereicht werden.

Nach Angaben des britischen Gesundheitsministeriums droht Hagens eine Geldstrafe oder bis zu drei Monaten Gefängnis wegen des Verstoßes gegen das Anatomie-Gesetz. Dem Professor fehle sowohl die notwendige Qualifikation als Pathologe als auch die Erlaubnis, die Sezierung durchzuführen, sagte ein Sprecher.

Die umstrittene Ausstellung "Körperwelten", die weltweit Millionen von Zuschauern anzog, ist in London seit März von mehr als 500.000 Menschen besucht worden. Mehr als zwei Drittel der Besucher haben laut Hagens die öffentliche Sezierung befürwortet. Auch in München, wo die Ausstellung ab Februar gezeigt werden soll, will er eine öffentliche Leichenzerlegung vornehmen.



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