Leila Pahlewi Trieben Alpträume die Prinzessin in den Tod?

Nach dem Tod der Schah-Tochter Leila Pahlewi gibt es Spekulationen über die Todesursache. Von Drogenmissbrauch ist die Rede, von Freitod durch die Einnahme von Schlaftabletten. Die Familie der Toten spricht von einer langen Krankheit. Gemeint sind Depressionen, die durch traumatische Kindheitserlebnisse mitverursacht sein könnten.


London - Prinzessin Leila Pahlewi, 31, die jüngste Tochter des ehemaligen Schahs von Persien, war in einer Hotelsuite in London tot aufgefunden worden. Eine Obduktion der am Sonntagabend von Hotelbediensteten entdeckten Leiche ergab keine eindeutige Todesursache, teilte Scotland Yard am Dienstag mit. Weitere toxikologische Untersuchungen wurden angeordnet. Die Prinzessin lebte in den USA, verbrachte aber jedes Jahr mehrere Monate in London.

Britische Zeitungen spekulierten am Dienstag über einen Tod durch eine Überdosis Schlaftabletten oder durch Drogen. Die Möglichkeit eines Selbstmords werde von Scotland Yard untersucht, schrieb die "Daily Mail".

Die Version der Familie ist eine andere. Die in Paris lebende Mutter Leilas, Ex-Königin Farah, 62, ließ mitteilen, ihre Tochter sei nach "langer Krankheit" gestorben. "Leila ging mit neun Jahren ins Exil und war seit Jahren depressiv." Sie habe die Absetzung ihres Vaters vom "Pfauenthron" 1979 und seinen Krebstod in Ägypten ein Jahr später nie überwunden. "Sie ertrug das Leben in Europa nicht. Sie liebte den Iran", hieß es in der Erklärung der Schah-Witwe. Leila war das jüngste von fünf Kindern des Monarchen.

Auch Leilas ältester Bruder, der in den USA lebende Resa Pahlewi, sprach von einer "längeren Krankheit" als Todesursache. "Der tragische Tod meiner geliebten Schwester bereitet mir enormen Schmerz", sagte der 40-Jährige, der sich als "rechtmäßiger König von Iran" versteht. Er lebt mit Prinzessin Jasmin und zwei kleinen Töchtern im US-Bundesstaat Maryland.

"Mein Vater ist ständig in meinen Träumen", soll die Prinzessin einmal zu Freunden gesagt haben. Den Iran habe sie in ihren Träumen oft besucht. Einer dieser Träume sei so "erschreckend wie die Hölle" gewesen, sagte Leila einmal in einem US-Interview: "Ich war im Palast und durfte dort nicht sein. Wenn sie mich gefunden hätten, hätten sie mich geköpft."

Exil-Iraner verbreiten die Nachricht via Satellit im Iran

In Iran wussten bereits viele von dem Tod der Prinzessin, obwohl er von den Medien vor Ort nicht gemeldet wurde. Über TV-Stationen von Exil-Iranern sprachen viele ihr Beileid aus. Iranische Satellitensender in den USA werden in Iran in vielen Provinzen empfangen.

Leila war nach dem islamischen Umsturz durch Ajatollah Khomeini im Iran Anfang 1979 mit ihrer Familie schließlich in die USA geflohen. Sie besuchte die Schule in Williamstown im Bundesstaat Massachusetts und machte 1992 ihren Abschluss an der Brown-Universität. In London bewohnte sie bis zu sechs Monate im Jahr eine Suite im Leonard-Hotel bei Marble Arch. Pro Nacht zahlte die Prinzessin dort 1400 Mark (450 Pfund), berichtete der "Daily Telegraph."

Hotel-Managerin Angela Stoppani sagte der Zeitung: "Miss Pahlewi kam nach London, um abzuschalten. Mit Freunden war sie nie zu sehen." Die Prinzessin sei immer "höflich und freundlich" gewesen. Ihr Tod habe alle im Hotel schockiert. Leila soll vor zwei Jahren einen Hauskauf in London in Betracht gezogen haben, berichtete der "Telegraph". Aber die Vorstellung, ihre Hunde in die gesetzlich vorgeschriebene Quarantäne zu geben, habe sie letztlich davon abgehalten.

Laut "Daily Mail" litt die "ehemals wunderschöne" Tochter des Schah an Depressionen und Magersucht. Ihr teurer Schmuck und ihre Designer-Kleider hätten den "skelettartigen Körper kaum noch verstecken" können. Auf einer Dinner-Party habe sie vor kurzem ein halbes Dutzend Beutel Kräutertees aus ihrer Handtasche gezogen und gefragt: "Welchen soll ich denn nun trinken? Sie machen mich alle krank."

Von Anna Tomforde, dpa



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